Ein 4:0-Sieg gegen den SV Spittal an der Drau kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die Austria hat einen desaströsen Saisonstart hingelegt. Auf den Sieg in der ersten Cuprunde folgten eine Niederlage in Ried, ein Unentschieden gegen Wattens und das Debakel in der Conference-League-Qualifikation gegen Breidablik Kopavogur. Es gibt für diese Ergebnisse mildernde Umstände – der Kader wurde ausgedünnt. Mit Erik Palmer-Brown, Manprit Sarkaria und Trainer Peter Stöger haben die Wiener im Sommer drei Stützen verloren. Die Mannschaft, die Manfred Schmid nun aufbietet, ist jung und unerfahren. Es wird dauern, bis sie halbwegs eingespielt ist.
Der Verein hat ohnehin weit größere Probleme, er steckt bis zum Hals in Schulden. Im April sicherte ihm ein Kraftakt die Lizenz in zweiter Instanz. Die Klubspitze stellte damals innerhalb weniger Tage sieben Millionen Euro auf, begann öffentlichkeitswirksam damit, Vereinsanteile zu verkaufen, und bereitete die Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Markus Kraetschmer vor. 23 Jahre arbeitete Kraetschmer für den Verein, die Finanzen waren sein Aufgabenbereich. Viele hatten ihn als Schuldigen der Misere identifiziert. Zunächst bekam er mit Gerhard Krisch einen Co-Vorstand, im Juni wurde er verabschiedet. Es sollte ein neuer Wind durch Favoriten wehen.
Doch davon ist nur noch ein Lüfterl übrig. Gerade einmal 4,7 Millionen Euro nahm die Austria durch Anteilsverkäufe ein, von spektakulären Transfererlösen können die Wiener auch nicht träumen. Um die Verbindlichkeiten, die im Frühjahr kolportierte 78 Millionen Euro betrugen, zu bedienen, wird das nicht reichen. Als Rettungsanker muss nun wieder Insignia herhalten.
Noch immer hofft die Austria, dass die georgische Firma, die seit März an Bord ist, viel Geld für den Verein lukrieren wird. Doch bisher ist nur ein Bruchteil der für dieses Jahr versprochenen sieben Millionen Euro geflossen. Wie weit der strategische Partner von der Realität im Verein entfernt ist, zeigte Insignia-Vertreter Luka Sur im Juli auf Instagram. Er schwadronierte von einem Platz unter den ersten vier als Saisonziel, für das Jahr darauf seien die Ambitionen sogar noch größer.
Wenige Tage nach Surs Prognose sagte Gerhard Krisch im Kurier-Interview: „Insignia ist nach wie vor eine Story, an die wir glauben.“ Doch eine Story ist kein Businessplan. Wenn die Verantwortlichen den Klub retten wollen, können sie es nur selbst tun. Sie müssen sich überlegen, wie die Austria zu sanieren ist – und realistisch bleiben. Insignia wird nicht viel zur Rettung beitragen, eine abgespeckte Mannschaft keine Europacupmillionen einspielen. Die Klubführung muss den Tatsachen ins Auge sehen und ehrlich mit den Fans kommunizieren, wenn sie sie behalten möchte. In dieser Hinsicht könnte sie von Trainer Schmid einiges lernen. Der hat schon vor Saisonstart angekündigt: „Es können ein, zwei Scheißjahre werden.“