Um den Ehrenanstoß kümmerte sich Austrofred: Vom oberen Ende der Tribüne, dort, wo der Stadionsprecher seinen Stand hatte, kickte der Universalkünstler den Ball in Richtung Spielfeld. Der Schiedsrichter nahm ihn auf – und dann ging es los: Das Finale des Scheiberlcup 2021, die Rückkehr des ballesterer-Turniers. Der SV Atemnot und die AG Prosciutto Mais Zwiebel Extra Käse klärten, wer das Turnier, das der ballesterer gemeinsam mit dem Verein 1210 Wien veranstaltete, gewinnen würde.
Es war der fußballerische Schlusspunkt eines Turniertages, der knapp sieben Stunden davor bei strahlendem Sonnenschein begonnen hatte. 17 Teams trafen sich auf dem 1210-Platz in Floridsdorf, in drei Gruppen traten sie gegeneinander an. Die Mischung, wie man so sagt, machte es aus. Neben der Werksmannschaft des ballesterer (immerhin Rekordsieger beim Ute-Bock-Cup) und zwei Elternmannschaften der Floridsdorfer Gastgeber ließen sich auch andere Größen der österreichischen Fußballszene nicht lange bitten. Kicken ohne Grenzen stellte ebenso ein Team wie eine Abordnung der Autor*innennationalmannschaft und Stuwerviertel Asozial, eine Spielgemeinschaft aus der Wilden Liga. Tatkräftig standen dem Organisationsteam nicht nur das wunderschöne Wetter sondern auch die Kooperationspartner zur Seite. Der Scheiberlcup fand im Rahmen der fairplay Aktionswochen unter dem Motto „Solidarität – Fußball ohne Ausgrenzung“ statt. Ein Motto, zu dem wir uns nicht nur gerne bekennen, sondern eines, das der Sport dringend nötig hat. Die Förderung beinhaltete aber nicht nur einen finanzielle Zuschuss, dadurch wurde das Team des ballesterer supporters club auch mit wunderschönen Dressen ausgestattet: Viele bunte Figuren waren darauf zu sehen, der passende Schriftzug lautete „All Colours Are Beautiful“.
Wembley in Floridsdorf
Die Teams kamen nicht wegen der vielen tollen Gewinne bei der Tombola (Retro-Shirts, Bücher, Abos, Abendessen mit der Redaktion), sondern zum Scheiberln. Zumindest phasenweise reihten sich gelungene Aktionen und sehenswerte Tore aneinander, phasenweise ehrlicherweise nicht. In neun der 40 Gruppenspiele fielen mindestens drei Tore, genauso viele endeten 0:0. Nach der Mittagspause samt Köstlichkeiten vom Grill ging es am Nachmittag im Play-off-Modus weiter. Die besten Teams der Gruppenphase matchten sich am Hauptfeld in der League de la Champagne um den Tagessieg, am Nebenfeld wurden der Kaiserspritzer- und der Dosenbiercup ausgespielt. Trotz nachlassender Kraft (sowohl der untergehenden Sonne als auch der erschöpften Muskeln) wuchs das Publikum am Nachmittag an. Manche Partien wurden vor dessen Augen zu wahren Fußballfesten.
Wenig zu jubeln gab es hingegen für unsere Werksmannschaft – immerhin Rekordsieger beim Ute-Bock-Cup. Aufgrund verletzungsbedingter Absagen und höflicher Gastfreundschaft schafften wir mit vier Punkten in der Gruppe nur Rang fünf, im Dosenbiercup ergatterten wir dann immerhin den vorletzten – das heißt den 15. – Platz.
Als Austrofred gegen 17:30 Uhr gekonnt das Finale in die Wege leitete, war die Mannschaft nur mehr Zaungast – aber damit immerhin nicht allein. Fast 100 Leute fieberten beim Finale von der Tribüne mit, sie sahen ein von Taktik geprägtes Match, das – wie auch das Endspiel der EM im Sommer – erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. Der SV Atemnot behielt die besseren Nerven und holte sich mit einem 2:0 den Cup.
Historischer Tag
Das sportliche Programm war damit erledigt – die Qualität des Dargebotenen ließ aber noch lange nicht nach. Nach einer emotionalen Siegerehrung, bei der jedes Team eine Urkunde und einen ballesterer-Schal, die besten drei sogar eine Trophäe überreicht bekamen, startete der Scheiberlcup die Kulturoffensive und 1210 seine Kantinenkonzerte. Es war Teil der Aktion „Kultur am Platz“, die der Verein in Kooperation mit der MA7 organisiert. Musiker, Autor, Schauspieler und Ehrenankicker Austrofred gab auf der Bühne alles – sogar Zugaben. Die müden Knochen der Kickerinnen und Kicker klapperten im Takt.
Im Anschluss erhielt der Tag noch eine weitere historische Dimension. Sebastian Kurz erklärte, dass er für keine Zugabe zur Verfügung stehe, sondern, im Gegenteil, als Bundeskanzler zurücktreten werde. Das Pressestatement, das in der 1210-Kantine live übertragen wurde, wurde von Sprechchören untermalt. Die versammelten Fußballerinnen und Fußballer hatten nämlich eine Idee, wer Kurz nachfolgen könnte: „Austrofred! Austrofred! Austrofred!“ skandierten sie. Auf Nachfrage wollte der Steyrer zumindest nicht dementieren: „Kanzler? Najo, wenn mi wer fragt, gern.“ Die anschließende Partie zwischen Färöer und Österreich verlief ereignislos und endete – wie das Finale des Scheiberlcup – 2:0. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, mit euch, nicht dem Altkanzler.
Außerdem möchten wir uns bei allen, die uns bei der Organisation unterstützt und damit geholfen haben, dass der Scheiberlcup stattfinden konnte. Ohne die Teams wäre das Turnier außerdem nicht derart historisch geworden. Wir sagen danke an:
1210 Wien Ü49
AG Prosciutto Mais Zwiebel Extra Käse
Autor*innenteam
ballesterer Werksmannschaft (Rekordsieger Ute-Bock-Cup)
ballesterer supporters club
FC Elternkick
FC Matchball
FC Schniedlzwerg
I Furiosi
Kicken ohne Grenzen
Kolschitzkygasse & Friends
Standard United
Stuwerviertel Asozial
SV Atemnot
Torpedo Lainz Legenden
Turbine
Wismut Wien West