Alle Pokerschmähs haben Joan Laporta und sein Klub sich selbst zuzuschreiben. Der Präsident des FC Barcelona und Trainer Xavi Hernandez grüßten von großen Werbeanzeigen am Palms Casino Resort von Las Vegas. „Wenn ihr spielen wollt, dann spielen wir“, lautete die Botschaft an Real Madrid, den Gegner des Testmatchs beim Aufenthalt in Las Vegas. Barcelona im Sommer 2022 in der Hauptstadt des Glücksspiels? Bingo. Das Spiel gegen Real gewann Barcelona 1:0, die weitaus wichtigeren Wetten für den Klub laufen noch. „Ich bin kein Zocker“, sagte Laporta der New York Times. „Ich gehe kalkulierte Risiken ein.“
Zu kalkulieren gibt es viel in Barcelona: 1,3 Milliarden Euro Schulden hat der Klub, im vergangenen Jahr machte er einen Verlust von 487 Millionen – und er wirft mit Geld nur so um sich. Er investiert in Steine und Beine, also Infrastruktur und neue Spieler. Da ist der Umbau des Camp Nou, der rund 1,5 Milliarden kosten soll und gerade begonnen hat. Und da sind die Transfers. 150 Millionen Euro hat Barcelona bis Mitte August ausgegeben, 23 Millionen eingenommen. Neben anderen sind Raphinha um 58 Millionen von Leeds United, Jules Kounde um 50 Millionen vom FC Sevilla und Robert Lewandowski um 45 Millionen vom FC Bayern gekommen. Und das dürfte noch nicht alles gewesen sein.
Er verstehe nicht, was da passiere, sagte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp dem Kicker. „Wenn man mir sagt, ich habe kein Geld, dann gebe ich nichts mehr aus.“ Doch Barcelona leiht sich Geld, unter anderem etwa zwei Milliarden von der Investmentbank Goldman Sachs, die zu großen Teilen für den Stadionumbau vorgesehen sind. Und der 2021 zum Präsidenten gewählte Laporta macht alles zu Geld, was er zu Geld machen kann.
Dass das Stadion zum ersten Mal den Namen eines Sponsors trägt, ist noch einer der gewöhnlichsten Deals. Der Klub hat 25 Prozent seiner TV-Einnahmen für die nächsten 25 Jahre ebenso verkauft wie ein Viertel der Anteile an seiner digitalen Produktionsfirma. Das war nötig, damit Lewandowski & Co. beim 0:0-Saisonauftakt gegen Rayo Vallecano überhaupt spielen konnten. Denn um die neuen Spieler registrieren zu dürfen, musste Barcelona zunächst seine Bilanzen aufbessern.
Laporta setzt alles auf Sieg. Er will ein Team zusammenkaufen, das Titel gewinnt, durch die Geld hereinkommen soll, um noch mehr Spieler zu kaufen, die noch mehr Titel gewinnen und so weiter. Das Beste, das sich über diese Strategie sagen lässt, ist, dass sie schon einmal funktioniert hat. In Laportas Amtszeit ab 2003. Doch das ist fast 20 Jahre her. Damals war Barcelona ein europäischer Mittelständler in Schwierigkeiten, heute ist Barcelona ein globaler Gigant am Abgrund. Damals boomte das Fußballgeschäft, heute steht die Welt rundherum in Flammen. Damals verzauberten Ronaldinho, Samuel Eto’o, Xavi, Andres Iniesta und Lionel Messi die Fans. Mit ihnen baute der Klub die Marke auf, die er heute zu Geld macht. Doch ein guter Ruf lässt sich nicht beliebig oft verkaufen.