Lothar Emmerich spielte nie in der Bundesliga. Aber es war knapp. 1972 war der deutsche Vizeweltmeister und Europacupsieger mit dem BVB zu Austria Klagenfurt gewechselt. Er wurde für den abstiegsgefährdeten Klub zweimal Zweiter der Torschützenliste, ehe er kurz vor der Einführung der Bundesliga zurück nach Deutschland ging. Möglich gemacht hatte den Transfer der Holzunternehmer Adolf Funder aus Sankt Veit an der Glan. Sein Vater und Unternehmensgründer Karl Funder hatte die Nationalsozialisten mitfinanziert und von „Arisierungen“ profitiert. Das Werk produzierte unter anderem Holzfaserplatten für die Möbelindustrie und beschäftigte in den 1970er Jahren rund 1.700 Menschen. Adolf Funder sponserte Hallenbäder, Kulturveranstaltungen und Sport, neben Trabrennen auch die Fußballklubs der Region, die Klagenfurter Austria und die Vereine aus Sankt Veit.
Ein Jahr nach Emmerich kam Franz Hasil um eine Millionenablöse nach Klagenfurt. „Die beiden Herren Funder und Landeshauptmann Sima haben einen Deal abgeschlossen“, sagte er 2020 der Kleinen Zeitung. „Details dazu sind mir entfallen. Herr Funder hat mich aber damals von Feyenoord abgekauft und geholt.“ Anders als Emmerich blieb er bis 1976 und stand beim Spiel gegen die SSW Innsbruck im August 1975 im Zentrum eines Platzsturms. In der 89. Minuten zeigte der Schiedsrichter Hasil beim Stand von 1:1 Rot, die Gäste schossen noch das 2:1. Hunderte Fans stürmten den Platz und attackierten gemeinsam mit den Ordnern den Schiedsrichter, der mit einer Schädelprellung im Krankenhaus landete. Im Interview erinnert sich Hasil an Spiele gegen Rapid und die Austria mit bis zu 12.000 Zuschauern im alten Wörthersee-Stadion. „Wir haben alle geschlagen“, sagte er. Gegen die Wiener Vereine sahen die Kärntner oft gut aus, gegen andere weniger. 1976 stiegen sie aus der Bundesliga ab, Hasil ging zum SV Sankt Veit.
Copa America in Sankt Veit
Die Sankt Veiter Klubs unter Funders Fittiche – SV und SC Amateure – spielten in den 1970er Jahren in der zweiten Liga. Prominenter in der Bundesliga vertreten waren die Kärntner Klubs erst, als das Unternehmen ihres langjährigen Mäzens ruiniert war. 1981 schlitterten die Funder-Werke in eine der größten Insolvenzen des Landes. Der Firmeninhaber hatte auch sein Privatvermögen in das Unternehmen gesteckt, doch das konnte den Untergang nicht stoppen. In Wien spottete Bundeskanzler Bruno Kreisky über die reitsportverliebte Clique. Ohne den Sponsor gelang der Klagenfurter Austria 1982 der Wiederaufstieg, und 1983/84 spielte der SV Sankt Veit eine Saison lang in der höchsten Liga.
Funder gründete in den USA eine neue Firma und rief 1992 in Sankt Veit das Nachwuchsfußballturnier Funder Amerika Cup ins Leben – so genannt, weil Funder die Trophäen aus den USA einflog. 2020 verstarb Adolf Funder im Alter von 93 Jahren. Auf seiner Pate stand die Beschreibung „Ein edler Mensch, ein vehementer Kärntner“, heute ist die Straße am Sportplatz des SV Kraig nach ihm benannt.