Gemessen an der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Sportmagazins ist der ballesterer alt. Glaubt man der KI, so werden solche Medien 10 bis 30 Jahre alt, ehe sie entweder vom Erdboden verschwinden oder als Onlineversion das analoge Zeitliche segnet. Der ballesterer hat viel durchgemacht in seinem langen Magazinleben, das hat seine Resilienz gestärkt. Salopp formuliert könnte man sagen: Der ballesterer ist ein zäher Hund. Nicht verwunderlich, dass er sich erfolgreich den Herausforderungen des Alterns gestellt hat.
Vielfältig interessiert
Er hat seinen Lebensstil adaptiert und die Ratschläge der Alterspsychologie beherzigt, so blickt er nun zuversichtlich den Jahren entgegen, die vor ihm liegen. Die Alterspsychologie untersucht die Verhaltensweisen und Gefühlszustände von alternden Menschen. Levy Becca von der Yale University hat in einer Studie herausgefunden, dass Menschen, die eine eher positive Sicht auf das eigene Älterwerden haben, im Schnitt 7,5 Jahre länger leben als Menschen mit einer eher negativen Wahrnehmung dem eigenen Altern gegenüber. Die optimistischere Gruppe achtet besser auf ihre Gesundheit, treibt Bewegung, führt Vorsorgeuntersuchungen durch, pflegt soziale Kontakte, lernt Neues.
Auch der ballesterer zeigt im Alter noch vielfältige Interessen. So befasst er sich mit modernen Technologien, kennt sich mit dem Internet aus und ist in den sozialen Medien aktiv. Regelmäßig sendet er an die jungen Menschen Nachrichten über Instagram, sogar die Erstellung von Podcasts hat er noch erlernt. Man kann den ballesterer als rüstig bezeichnen. Er macht regelmäßig Sport und bestreitet sogar Wettkämpfe. Die Teilnahme am Scheiberlcup würde er sich nicht nehmen lassen, auch wenn ihm noch Wochen danach die Knochen weh tun. Klar, insgesamt überschätzt der ballesterer seine eigene Leistungsfähigkeit ein bisschen. Das ist typisch. Studien zufolge fühlt sich der ältere Mensch durchschnittlich um 10 bis 20 Prozent jünger, als er ist.
Paradox zufrieden
Womöglich haben wir dank dieser Einschätzung in unserer Gesellschaft derzeit die fittesten Alten, die wir je hatten. Die körperliche Gesundheit einer heute 70-Jährigen entspricht der einer 60-Jährigen von vor 30 Jahren. Untersuchungen zeigen weiters, dass die Neuroplastizität des Gehirns bis zum Lebensende bestehen bleibt und lebenslanges Lernen ermöglicht, obgleich die Informationsverarbeitung langsamer wird. Letztere lässt aber bereits ab dem 20. Lebensjahr nach.
Selbstredend geht das Älterwerden mit Verlusten einher, doch leidet darunter nicht zwangsläufig die Lebensqualität. Als Wohlbefindensparadox wird eine stabile individuelle Zufriedenheit trotz zunehmender Einschränkungen bezeichnet. Paradox ist auch, dass der ballesterer immer noch am Leben ist. Ein echt zähes Magazin.
Wolfgang Pennwieser ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Wien
Zur besseren Lesbarkeit wird in der Notfallambulanz das generische Femininum verwendet. Die Personenbezeichnungen beziehen sich, sofern nicht anders kenntlich gemacht, auf alle Geschlechter.