Max Hagmayr ist ein Vertreter der alten Schule. Er arbeitet viel, ohne sich zu beklagen, tritt selbstbewusst und seriös auf, ist aber um keinen Schmäh verlegen. Früher trug er wilde Locken, heute sind seine Haare nach hinten gegelt. Seine Haut ist gebräunt, er trägt ein schwarzes Hemd, das die Zähne noch heller strahlen lässt. Eigentlich hätte er Zahnarzt werden sollen, um die Tradition der Eltern fortzuführen. Stattdessen wurde Hagmayr Fußballer – und ist heute der einflussreichste Spielerberater des Landes. An Geld und Macht mangelt es ihm nicht. Aber eins würde er sich wirklich wünschen: „Es kommt selten vor, dass Vereine oder Spieler nach einem tollen Deal einmal Danke sagen. Das finde ich eigentlich schade.“
Max Hagmayr ist 69 Jahre alt und sitzt in einem doppelstöckigen Penthouse im ersten Wiener Gemeindebezirk, als er über Dankbarkeit spricht – es ist sein Büro. Den Raum schmücken eine Prada-Vase, eine Hermes-Decke und ein Louis-Vuitton-Lederfußball. Im Gespräch mit dem ballesterer wird er mehrmals das Wort Scheinwelt verwenden, um die Branche zu beschreiben, in der er seit knapp drei Jahrzehnten arbeitet. Neben ihm sitzt ein Mann, der auch Max Hagmayr heißt und Spielerberater ist. Er ist 29 und sein Sohn, der „Junior“. „In den Zeitungen stehen fast nur negative Dinge über Berater“, sagt er. „Man redet immer nur über Geld, aber uns geht es auch um Wertschätzung.“
Erweiterte Kompetenzen
Früher wurden Berater im Fußball nur angerufen, wenn ein Vertrag aufzusetzen war. Doch über die Jahre sind die Aufgaben vielfältiger geworden – und die Berater einflussreicher. Heute verhandeln, vermitteln und vernetzen sie, kümmern sich um Medienauftritte ihrer Spieler und fädeln Werbedeals ein, sie forcieren und verhindern Transfers, wenn es sein muss. Manche von ihnen walten im Hintergrund, andere drängen sich ins Rampenlicht und werden zu Prominenten, sie heißen Jorge Mendes, Pini Zahavi und Volker Struth. Manche arbeiten als Einzelgänger, andere sind Teil globaler Netzwerke. Manche spielen mit offenen Karten, andere intervenieren hinterrücks bei Sportdirektoren und Cheftrainern.
Gemein ist ihnen, dass kaum ein Weg mehr an ihrer Branche vorbeiführt, egal ob im Profi- oder im Nachwuchsbereich, im Frauen- oder Männerfußball und egal, ob die Zusammenarbeit Kopfschmerzen verursacht. Zugleich sind die kritischen Stimmen unüberhörbar. Ehemalige Kicker berichten ebenso von fragwürdigen Machenschaften ihrer Berater wie Sportdirektoren, die mit ihnen verhandeln. Wer das Wort Berater hört, denkt heute meist an Hinterzimmerdeals und mediale Schlammschlachten. Anfang Februar fand der Ex-Spieler und -Funktionär Matthias Sammer deutliche Worte für die Berufssparte: „Ich würde sie abschaffen.“
Unerwünschte Personen
„Ich schätze den Herrn Sammer, aber das klingt sehr populistisch. Ich halte gar nichts von solchen Aussagen, mittlerweile kann ich aber darüber schmunzeln“, sagt Max Hagmayr. „Manchmal stellen uns Vereine als Feindbild dar, um einen Vorteil für sich herauszuholen. Ohne uns könnten sie mit den Spielern machen, was sie wollen.“ Es gebe – wie in jedem Beruf – schwarze Schafe, aber man könne nicht alle Berater über einen Kamm scheren. „Sicher spielt Geld eine Rolle. Ich bin Unternehmer, wir investieren viel in Spieler und Vereine. Natürlich soll es am Ende einen Gewinn geben.“ Ein schlechtes Gewissen habe er deshalb nicht: „Ich brauche mich nicht dafür zu schämen, dass ich bei einem Deal, mit dem Verein und Spieler zufrieden sind, Geld verdiene. Wir leisten ja auch etwas dafür.“
Neu sind Aussagen wie jene von Sammer nicht. Die Geschichte der Berater im Fußball ist eine Geschichte der Kritik an ihnen. „Die Bundesliga muss sich etwas einfallen lassen gegen diese Trittbrettfahrer“, forderte der damalige Admira-Manager Dieter Marhold im Jänner 1996 gegenüber der APA. Grund dafür war der geplatzte Wechsel von Hans Kogler zu Rapid. Auf Anraten seines Beraters Robert Lobenhofer soll er nachträglich eine Transferbeteiligung von 33 Prozent gefordert haben. „Es ist der im österreichischen Fußball einmalige Fall eingetreten, dass sich die Vereine und der Spieler einig waren und der Transfer doch nicht zustande kam“, sagte Marhold. 2008 kündigte ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger für das Trainingslager vor der EM an: „Es gibt personae non gratae. Dazu zählen nicht nur Prostituierte, sondern auch Spielermanager oder -berater.“
Auch international sorgten Berater schon früher für Gesprächsstoff. „Mir ist in Transferverhandlungen mehrfach Geld geboten worden“, sagte Luton Towns Trainer Mike Newell 2006 – und stürzte den englischen Fußball in eine Krise. Spielerberater drohten Newell mit Verleumdungsklagen, aber mehrere Kollegen bestätigten die Schilderung. „Wenn der Verband diese Dinge nicht ausrottet, wird das den Fußball töten“, sagte Newell. „Spielerberater sind für den Fußball wie ein großes Krebsgeschwür. Sie haben eine Lizenz zum Gelddrucken“, sagte der ehemalige FA-Vorsitzende Graham Kelly.