Es war die erwartete Farce. Das Urteil der FIFA-Ethikkommission sprach die WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 vom Vorwurf der Bestechung frei. Zwar hätten sich im Zuge des Bewerbungsverfahrens einige Funktionäre nicht vorbildlich verhalten, auf den Ausgang der Abstimmung habe dies aber keinen nennenswerten Einfluss gehabt, so der Kommissionsvorsitzende Hans-Joachim Eckert.
Allerdings hat die Kommission nur die Geschehnisse untersucht, die unmittelbar mit dem Bewerbungskomitee zu tun hatten. So blieben Zahlungen in Millionenhöhe außen vor: Jene fünf Millionen Euro Startgeld etwa, die die Länderverbände Brasiliens und Argentiniens für ihr Antreten in einem Freundschaftsspiel in Doha erhielten und die von einem katarischen Unternehmen stammten. Auch jene 32 Millionen Euro, die die Familie von FIFA-Exekutivkomitteemitglied Marios Lefkaritis durch einen Landverkauf vom katarischen Unternehmen QIA erhielt, wurden nicht untersucht. Überraschen sollte das Schweigen der Ethikkommission allerdings nicht. Sie ist und bleibt Teil der FIFA.
Die Kritik am milden Urteil war überwältigend. Chefermittler Michael Garcia drohte gar mit Klage, er sah seine Ergebnisse nicht angemessen wiedergegeben. Auch die Medien ließen kein gutes Haar am Weltverband, und viele europäische Fußballfunktionäre schlugen in die gleiche Kerbe. David Bernstein, der ehemalige Präsident des englischen Verbandes, sprach sich für einen Boykott der WM 2022 durch die großen europäischen Landesverbände aus. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, dachte gar laut über einen FIFA-Austritt nach.
Die europäische Opposition zur FIFA ist allerdings nicht so glaubwürdig, wie sie sich gibt. Die Vergabe der EM 2012 an Polen und in die Ukraine umgeben bis heute hartnäckige Korruptionsvorwürfe. Besonderes Interesse an deren Aufklärung zeigte die UEFA nie. Der englischen Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2018 wird im Bericht Eckerts‘ vorgeworfen, allzu aktiv um die Unterstützung des ehemaligen FIFA-Vize Jack Warners gebuhlt zu haben. Warner wurde 2011 wegen Korruptionsvorwürfen suspendiert. Das Bewerbungskomitee von Spanien und Portugal für 2018 verweigerte gleich präventiv die Aussage vor der Ethikkommission.
Vielleicht geht es dem alten Kontinent also weniger um Transparenz als um den Ausbau des eigenen Einflussbereichs. Die Idee einer Abspaltung dient als Drohkulisse, um Druck für die eigenen Interessen zu machen. Verlockend klingt die Idee eines FIFA-Konkurrenzverbands allemal: Die europäischen Länder und wirtschaftlich starke Partner könnten mit einer Alternativ-WM viel Geld verdienen und wären zudem das schlechte Image des Weltverbands los. Nur blöd, dass sich die Europäer einen Gegner ausgesucht haben, der die Machtspielchen besser beherrscht als sie: Sepp Blatter.