Die Sommerpause ist vorbei. Vom 16. Juli bis 8. August findet die Europameisterschaft in den Niederlanden statt – und Österreich ist dabei. In mehrfacher Hinsicht: Das Nationalteam hat sich erstmals für ein Großturnier qualifiziert, der ORF zeigt 25 der 31 Spiele live, und die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball ist wohl so groß wie nie.
Die erste von der UEFA ausgerichtete Europameisterschaft fand 1984 statt. In der Finalrunde, die nicht in einem Gastgeberland, sondern dezentral mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde, standen vier Teams – die späteren Siegerinnen aus Schweden, dazu Dänemark, England und Italien. Seither hat sich viel verändert: Das Teilnehmerfeld wuchs von vier auf acht, später auf zwölf Verbände an. 2017 stehen nun erstmals 16 Teams in der Endrunde, die Aufstockung ermöglichte auch kleineren Ländern, die zuvor knapp gescheitert waren, die Teilnahme. Somit ist es nicht verwunderlich, dass mit Belgien, Österreich, Portugal, Schottland und der Schweiz gleich fünf Turnierneulinge am Start sind – mehr als je zuvor.
Die österreichische Delegation ist unter dem Motto #oneheartonegoal in die Niederlande aufgebrochen. Im Kader von Teamchef Dominik Thalhammer stehen 14 Spielerinnen aus der deutschen Bundesliga. Das ist kein Zufall, denn die heimische Liga lässt den Talenten kaum eine andere Wahl, als ins Ausland zu gehen. Der Alltag in Österreich ist von mangelhaften Strukturen, fehlenden Geldmitteln, niedrigen Zuschauerzahlen und einem großen sportlichen Gefälle geprägt. Einzig der SKN St. Pölten kann seinen Spielerinnen finanzielle Anreize bieten und dominiert daher auch seit einigen Jahren sportlich das Geschehen. Diese Rolle hatte zuvor der SV Neulengbach inne, Meister der Jahre 2003 bis 2014. Nach dem Ausstieg des Hauptsponsors sind dort die Mittel knapp, das zweite Team wurde aus dem Spielbetrieb genommen, ein Rückzug des Bundesligisten konnte nur knapp vermieden werden.
Der ÖFB hat mit dem Nationalen Zentrum für Frauenfußball in Sankt Pölten viel für den Elitenachwuchs getan, doch er hat es bisher versäumt, neben der Spitze auch die Breite ausreichend zu stärken. Die Vereine sind auf ehrenamtlichen Einsatz angewiesen, sowohl auf als auch neben dem Feld. Zu Auswärtsspielen durch ganz Österreich zu reisen, das ist organisatorisch eine nicht stemmbare Aufgabe für viele Verantwortliche. Ein Aufstieg in die höchste Spielklasse versprüht daher nur wenig Anziehungskraft. Selbst in der zweigleisigen zweiten Liga gibt es schon jahrelang Probleme, ausreichend antrittswillige Teams zu finden.
Ein Vorbild für den ÖFB könnten die Kollegen in England und Spanien sein. Dort haben die jeweiligen Verbände mit Engagement – und Geld – neue Ligen installiert und sie für Spielerinnen, Zuschauer, Sponsoren und Medien attraktiv gemacht. Die Früchte werden auch an der Spitze geerntet, sowohl das spanische als auch das englische Nationalteam zählen zum erweiterten Favoritenkreis in den Niederlanden. Um den aktuellen Aufschwung des Frauenfußballs also auch nachhaltig zu nutzen, muss schleunigst intensiv in die Breite gearbeitet werden. Und hier ist neben den Vereinen der ÖFB gefragt.