Real-Madrid-Verteidiger Sergio Ramos wendet einen Schussversuch von Villareals Manu Trigueros an der Grenze des eigenen Strafraums ab und spielt den eroberten Ball zu Karim Benzema, der sich auf der linken Seite freigelaufen hat. Jese Rodriguez läuft in der Mitte seinem Gegenspieler davon, um Benzemas vertikales Zuspiel auf der linken Seite anzunehmen. Benzema nimmt nun den Raum im Zentrum vor Villareals Abwehrreihe ein und verwandelt Jeses Stangelpass auf Strafraumhöhe ungedeckt zum 4:2-Entstand für Real Madrid. Die Madrilenen schließen am 8. Februar 2014 einen Konter perfekt ab.
Konter als Philosophie
Ein erfolgreicher Konter wird in der Regel mit der Laufstärke und Präzision der Pässe begründet, Reals Spieler verfügen zweifellos über diese Fähigkeiten. Sergio Ramos beherrscht den weiten Pass, Benzema und Jese sind schnell. Ein ebenso wichtiges Erfolgskriterium für den Gegenangriff stellen die Laufwege dar. In der beschriebenen Szene kreuzen Benzema und Jese mehrmals die Wege, um der Deckung der Gegenspieler zu entfliehen. Weiters halten die beiden und der mitgelaufene Ramos zueinander weite Abstände, um in der Abwehr Löcher aufzureißen. Diese Mechanismen sind in dieser Perfektion Überbleibsel aus der Amtszeit Jose Mourinhos, einem Verfechter der Konterspielweise. Real ist, wie die meisten internationalen Topteams, unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti mittlerweile etwas von Mourinhos Philosophie abgerückt.
Dieser Trend hat auch das Spitzenfeld der Premiere League erfasst – mit Ausnahme des FC Chelsea. Seit Mourinhos Rückkehr steht Chelseas Team geschlossen tief und macht die Mitte vor dem eigenen Tor dicht. Bei Ballgewinn nützt Chelsea die Räume, die sich besonders gegen offensive Mannschaften eröffnen. Mourinho hat daher den geradlinigeren Spielmacher Oscar auch dem kreativeren Juan Mata vorgezogen. Gegen schwächere Teams lässt Chelsea die meisten Punkte liegen, weil sich die Londoner schwertun, selbst Initiative zu zeigen.
Konter als Variante
Den Konter hat auch der ehemalige Austria-Trainer Nenad Bjelica zur Philosophie gemacht und seiner Mannschaft dadurch den Einzug in die Champions League ermöglicht. In der Bundesliga erwies sich Bjelicas Taktik hingegen als zu passiv.
Auch Mannschaften, die den Konter nicht zur Spielphilosophie machen, setzen ihn als Angriffsvariante ein, der FC Liverpool zum Beispiel. Trainer Brendan Rodgers etablierte 2012 in Liverpool ein Kurzpassspiel, das Ende der letzten Saison Früchte trug. Ganz ist er davon nicht abgerückt, dennoch hat er in dieser Saison den Schwerpunkt von Liverpools Spiel auf das Umschalten verlagert. Beim Match gegen Arsenal am 8. Februar funktionierte das dank der schnellen Offensivakteure gegen die hochstehende Abwehr der Londoner besonders gut. Liverpool siegte 5:1.