Rene Gartler und Robert Zulj sind die Erfolgsgaranten der SV Ried. Gemeinsam haben sie in dieser Saison bereits 17 Tore erzielt. Im Interview sprechen sie über ihre Zukunftspläne, eine Mannschaft ohne große Chefs und den faden Geschmack von Mineralwasser.
Die SV Ried erfindet sich wieder einmal neu. Während früher die Urgesteine Oliver Glasner, Herwig Drechsel und Michael Angerschmid das Sagen hatten, herrscht heute eine flache Hierarchie in der Mannschaft. Für die Tore sorgen mit Robert Zulj und Rene Gartler zwei typische Vertreter dieser neuen Generation. Beide haben in Ried den Durchbruch geschafft, nachdem sie bei ihren vorherigen Vereinen keinen Vertrag mehr bekommen hatten. Beim Interview im alten Rieder Stadion lässt Zulj durchklingen, dass er kein Lautsprecher ist. Gartler dagegen nimmt sich vor allem hinsichtlich der Freizeitgestaltung von Fußballern kein Blatt vor den Mund.
ballesterer: Woran denkt ihr beim Begriff Magisches Dreieck?
Rene Gartler: An Balakov, Bobic und Elber, damals beim VfB Stuttgart. Das waren meines Wissens die ersten, die im deutschsprachigen Raum so genannt worden sind.
Robert Zulj: Zu meiner Zeit in der Akademie in Linz hat es beim LASK auch ein magisches Dreieck gegeben: Vastic, Mayrleb und Prager.
Entsteht mit euch und Clemens Walch in Ried jetzt auch so ein Dreieck?
Gartler: Wir stehen in der Offensive etwas stärker im Mittelpunkt, weil wir Tore erzielen oder vorbereiten, aber wir wollen uns da nicht herausstreichen.
Zulj: Ich sehe das genauso. Die Mannschaft ist ganz wichtig, ohne die anderen würde es kein magisches Dreieck geben.
Rene, du bist im Sommer 2012 von Rapid zu Ried gewechselt. Hattest du Anpassungsschwierigkeiten?
Gartler: Ich habe die Stadt nicht gekannt, aber ungefähr gewusst, was auf mich zukommt. Es ist natürlich alles viel kleiner als in Wien, aber ich war ja auch schon ein Jahr in Lustenau und ein halbes in Kapfenberg. Von daher weiß ich, wie es in Kleinstädten zugeht. Meine Familie und ich, wir fühlen uns sehr wohl hier.
War es schwer, Rapid nach zwanzig Jahren im Verein zu verlassen?
Gartler: Ich war eigentlich froh, dass der Verein die Option nicht gezogen hat, weil ich dadurch ablösefrei war. Ich habe das relativ früh gewusst und konnte mit Ried noch vor der Sommerpause alles fixieren. Hier hat es ab dem ersten Testspiel super funktioniert, und ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht.
Hast du vor deinem Wechsel befürchtet, dass es für die Bundesliga nicht reichen könnte?
Gartler: Nein, ich habe bei Rapid unter Peter Pacult ja auch 15 oder 20 Spiele von Anfang an gemacht und war Einserstürmer. Dann habe ich mir leider den Unterarm gebrochen, und in der Saison darauf hat Peter Schöttel andere forciert. Das muss man akzeptieren, und deshalb war es nach dem einen Jahr unter ihm die beste Lösung, Rapid zu verlassen.
Robert, du warst in der Akademie Linz. Warum ist die Wahl auf Ried gefallen?
Zulj: Ich hätte vom LASK keinen richtigen Profivertrag bekommen. Im letzten Spiel für die Akademie war Stefan Reiter da, und danach hat mir Ronnie Brunmayr, der als Spielerberater gearbeitet hat, vom Interesse von Ried erzählt. Zwei Tage später war ich schon hier, das war der richtige Schritt
Brunmayr ist ein Beispiel für einen Spieler, der in Ried noch einmal durchgestartet ist. Siehst du deinen Werdegang ähnlich, Rene?
Gartler: Seit ich in Ried bin, war ich mit Ausnahme der Ellbogengeschichte fast völlig verletzungsfrei und habe immer die volle Vorbereitung mitmachen können. Das war in den Jahren davor nicht immer so. Ich habe hier ein perfektes Umfeld und ein Trainerteam, das mir Vertrauen schenkt. Dann kann man als Stürmer auch seine Tore schießen. Bei Rapid hat das nicht so gut geklappt.
Was ist das Besondere an Ried?
Zulj: Der Druck von außen und von den Medien ist nicht so groß wie bei Rapid oder der Austria. Die Trainer können hier in Ruhe arbeiten und die Jungen forcieren.
Gartler: Der Verein entwickelt sich auch außerhalb des Platzes gut weiter. Das wird klar, wenn man sich das Akademiegelände anschaut oder die neue Rasenheizung im Stadion. Der Verein bleibt nicht stehen. Die Mannschaft wird jedes Jahr gut zusammengestellt, mit vielen jungen Spielern, die hier die Chance haben, sich zu beweisen. Ried hat gezeigt, dass dieser Weg funktioniert.
Euer Kader ist relativ jung. Rene, siehst du dich schon als Routinier?
Gartler: Ich bin mit 28 der zweitälteste Spieler, natürlich versucht man da, den Kollegen das eine oder andere mitzugeben. Aber ich will authentisch bleiben und kann mir von jüngeren Spielern genauso etwas abschauen. Es gibt in unserer Mannschaft keinen, der groß auf Leitwolf macht. Wir sind eine geile Truppe, jeder rennt für den anderen.
Wie ist das für einen jungen Spieler?
Zulj: Bei uns kann jeder seine Meinung sagen, es gibt keinen großen Chef. Ich bin am besten, wenn ich frei drauflos spielen kann. Ohne Angst, dass mich irgendjemand zusammenscheißt, wenn ich einen Fehler mache.
Die SV Ried hat in den letzten Jahren immer wieder mit guten Leistungen überrascht. Besteht da nicht die Gefahr, dass irgendwann einmal eine Sättigung eintritt?
Gartler: Ried ist ein Ausbildungsverein. Wenn du einmal Sechster wirst, geht die Welt auch nicht unter. Eine Sättigung ist aber sicher nicht eingetreten, weil sonst im Umfeld nicht so viel weitergehen würde, wie das in den letzten Jahren der Fall war.
Robert, wie hast du die letzten drei Jahre erlebt?
Zulj: Für mich war wichtig, dass ich viel Spielzeit bekommen habe, auch wenn ich einmal zwei, drei Spiele nicht gut war. Nur so habe ich mich weiterentwickeln können.
Du hast dich vom spielenden Stürmer zum Goalgetter entwickelt, Rene. Wie ist das passiert?
Gartler: Meine Position ist jetzt eine andere. Bei Rapid haben wir zumeist mit zwei Stürmern gespielt, wobei ich der hängende Part war. In Ried spiele ich an vorderster Front, bin aber trotzdem viel unterwegs. Ich habe meinen Stil ein bisschen umgestellt, eine große Wandlung war es aber nicht.
Was sind die größten Stärken des jeweils anderen?
Zulj: Der Rene vereinbart Spielintelligenz mit Killerinstinkt. Gartler: Der Robert ist ein sehr relaxter Typ, den man nur sehr schwer aus der Ruhe bringen kann. Er hat immer die Übersicht und deckt den Ball sehr gut ab. Er ist schon sehr komplett. Nur am Kopfballspiel müssen wir beide noch arbeiten.
Robert, du wurdest vor wenigen Wochen aus disziplinären Gründe vorübergehend aus dem U21-Team geworfen. Ein Knackpunkt für die Teamkarriere?
Zulj: Ich möchte über dieses Thema nicht mehr reden. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, aber ich will das jetzt mit guten Leistungen vergessen machen. Das Thema ist für mich abgehakt.
Du warst früher auch kein Kind von Traurigkeit, Rene. Inwiefern hast du dich in den letzten Jahren verändert?
Gartler: Mit dem Alter kommt sicher eine gewisse Reife dazu. Es ist ein Unterschied, ob man 18 oder 28 ist, da hat man ganz andere Prioritäten im Leben. Ich bin damals auch ein bisschen zum Handkuss gekommen. Einen schlechten Ruf bekommt man über Nacht. Ihn wieder loszuwerden, dauert Jahre. Es ist auch jetzt bei jedem Interview noch immer eine Frage in diese Richtung dabei. Daran sieht man, wie schwer es ist, das wieder aus den Köpfen hinauszubekommen. Aber ich kann damit leben, es belastet mich nicht.
Gartler: Natürlich, aber das ist als Fußballer nicht anders als als Bäcker oder Ingenieur. Man reift mit dem Alter. Aber nur weil ich Fußballer bin, will ich mich nicht das ganze Wochenende zu Hause einsperren. Viele verstehen das nicht und sagen: „Wie kann ein Profi um zwei Uhr in der Früh noch unterwegs sein?“ Wir sind aber auch nur Menschen, mit einem Recht auf Privatleben. Das ist für viele schwer zu akzeptieren. Sie sagen: „Die verdienen so viel Geld, die sollen gefälligst zu Hause bleiben und Mineralwasser trinken.“ Das wird es aber nicht spielen. Für die Medien ist es natürlich ein gefundenes Fressen, wenn etwas passiert. Aber auch das sind Erfahrungen, aus denen man lernt. Wenn schlechte Sachen über dich in der Zeitung stehen, macht dich das härter.
Versuchst du, den Jungen Tipps zu geben?
Gartler: Ich bin nicht der Oberlehrer und habe die Weisheit auch nicht mit dem Löffel gegessen. Wenn wir gewinnen und die Mannschaft geht in ein Lokal, sage ich zu keinem, dass er zu Hause bleiben soll. Das sind alles junge Menschen, die etwas erleben wollen. Natürlich muss die körperliche Verfassung passen, aber es ist kein Problem, wenn man ab und zu ein bisschen Spaß hat.
Kommen wir zur Meisterschaft: Salzburg zieht vorne weg, Rapid hat eine junge Mannschaft, die Austria schwächelt. Was ist heuer für Ried drinnen?
Zulj: Sehr viel. Wenn Rapid und Austria noch länger im Europacup bleiben, ist das sehr gut für uns. Wir müssen schauen, dass wir jetzt weiter unsere Punkte machen, dann ist von Platz zwei bis vier alles möglich.
Gartler: Salzburg ist über alle zu stellen, vor dem Rest brauchen wir uns nicht verstecken. Was letzte Saison gefehlt hat, war die notwendige Konstanz. Jetzt sind wir reifer und haben das Potenzial, uns oben festzusetzen.
Eure Verträge laufen im Sommer aus. Was sind eure Pläne?
Zulj: Es ist das Ziel eines jeden Spieler, einmal in einer der besten Ligen der Welt zu spielen. Dafür arbeite ich jeden Tag. Ich möchte in den nächsten zwei, drei Jahren nach Deutschland gehen. Ich will hier jetzt noch eine gute Saison abliefern, und im Sommer schauen wir dann weiter. In meinem Alter ist es wichtig, den richtigen Schritt zu machen und nicht nur aufs Finanzielle zu schauen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, noch in Ried zu bleiben.
Gartler: Bei mir ist es ein bisschen anders, weil ich schon älter bin. Natürlich träumt jeder vom Ausland, aber ich fühle mich in Ried sehr wohl. Wir haben eine erfolgreiche Zeit, von daher spricht nichts dagegen, hier zu verlängern. Wir werden uns im Winter zusammensetzen und eine Lösung finden. Bis dahin konzentriere ich mich aufs Spiel.
Rene Gartler (28) durchlief die Nachwuchsschule des SK Rapid, konnte sich in der Kampfmannschaft der Hütteldorfer aber nicht durchsetzen. In 59 Spielen für Rapid erzielte er zehn Tore und wurde an den Kapfenberger SV, SKN St. Pölten und den FC Lustenau verliehen. Im Sommer 2012 wechselte Gartler zur SV Ried, wo er es in 53 Spielen auf 27 Tore brachte.
Robert Zulj (21) begann seine Karriere beim FC Wels. Nach Durchlaufen der Linzer Fußballakademie wurde der Offensivspieler 2010 von der SV Ried verpflichtet, bei der er als 18-Jähriger sein Bundesliga-Debüt absolvierte. In 113 Pflichtspieleinsätzen für die Rieder erzielte der U21-Nationalspieler 30 Tore, davon allein neun in dieser Saison.
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