„Ich bin zuerst Mensch, dann Trainer.“ Josep Guardiola musste nach dem Sieg von Manchester City im League Cup grundsätzliche Dinge klären. Er antwortete auf eine Frage nach seiner Bekleidung, denn Guardiola trug an seinem Pullover eine gelbe Schleife – als Solidaritätsbekundung für die abgesetzten und verhafteten Politiker der katalanischen Regionalregierung. Der Trainer hat schon öfter an pro-katalanischen Demonstrationen teilgenommen, er gilt als prominenter Unterstützer der Unabhängigkeitsbewegung.
Mit seiner Positionierung mag Guardiola bei den einen Sympathien gewinnen und bei den anderen verlieren. Das sollte auch so sein, denn es entspricht dem Wesen politischer Ideen: Unterschiedliche Vorstellungen eines gesellschaftlichen Zusammenlebens konkurrieren miteinander. Der englische Fußballverband FA will sich auf diesen Wettstreit nicht einlassen, er gibt vor, ihm nicht einmal eine Bühne zu geben. Der Verband ermittelt gegen Guardiola wegen des Verstoßes gegen die Bekleidungsvorschriften. Die verbieten das Tragen jeglicher politischer Botschaft.
Der Verband wiederholt damit ein ebenso altes wie unsinniges Mantra: „Keine Politik im Sport“. Tatsächlich ist diese Forderung schlicht nicht zu realisieren. Da wären einmal die offensichtlichen Fälle: Politiker auf den Ehrentribünen, Politiker als Klubpräsidenten und Funktionäre, Politiker als Geldgeber bei Bauvorhaben, Politiker bei Empfängen für siegreiche Sportler und so weiter. Der wechselseitige Nutzen aus diesen Konstellationen ist klar: Beide Seiten wollen vom Image des anderen – ob einflussreicher Machthaber oder erfolgreicher Sympathieträger – profitieren.
Weniger offensichtlich, aber nicht weniger präsent sind andere Manifestationen von Politik in den Stadien. Ob das überbordende Kommerzialisierung ist oder die Kritik daran, eine UEFA-Kampagne gegen Rassismus oder die homophoben Gesänge einer Kurve, teure Eintrittspreise oder der Kampf um den Freiraum Stadion. Ob das Spieler sind, die über Politik laut Vertrag nichts sagen dürfen, oder Trainer, die regelmäßig über die Probleme der Welt philosophieren. Fußball ist Teil der Gesellschaft, und dort werden Interessenskonflikte politisch ausgetragen.
Das anzusprechen, gilt jedoch als Tabu – selbst für Pep Guardiola. Zur Verteidigung seiner Schleife sagte er: „Es geht nicht um Politik, es geht um Demokratie.“ Damit unterscheidet er sich gar nicht so sehr von den Regelhütern der FA, beide beanspruchen die Deutungshoheit darüber, was nun Politik sei – und was nicht. Und beide glauben, einen unpolitischen Raum definieren zu können. Guardiola nennt es Demokratie, antirassistische Initiativen bringen häufiger das Argument vor, Aktionen gegen Diskriminierung seien keine politische Intervention, sondern schlichter Hausverstand. Diese Herangehensweise mag in Zeiten des „Keine Politik“-Dogmas opportun erscheinen, sie ist aber grundfalsch. Denn die Antwort auf die Frage, was als Politik gilt, ist immer schon politisch.