Seit zwei Jahren hat das österreichische Nationalteam kein Bewerbsspiel mehr verloren. Die letzte Niederlage im Oktober 2013 in Solna gegen Schweden markierte das Scheitern in der Qualifikation für die WM 2014. Am selben Ort hat sich das österreichische Team nun mit einem 4:1-Sieg für die Europameisterschaft in Frankreich qualifiziert. Dabei hat Kollers Mannschaft ihre Stärken – das Angriffspressing und das Umschalten auf die Offensive – perfekt ausgespielt.
Physis und Tempo
Diese Spielweise hat sich bereits in Ansätzen bei Kollers erster Partie als Teamchef im November 2011 in der Ukraine abgezeichnet. Pressing und Umschaltspiel funktionieren mittlerweile so gut, weil der Trainer auf vielen Positionen und insbesondere in der Offensive auf konditionsstarke und schnelle Spieler setzt. Zlatko Junuzovic, der in Kollers 4-2-3-1 zentral hinter der Spitze agiert, besticht nicht nur durch spielerische, sondern auch läuferische und kämpferische Fähigkeiten im Pressing. Der geradlinige Flügelstürmer Martin Harnik profitiert von seiner Schnelligkeit. Auch die Außenverteidiger Christian Fuchs und Florian Klein sind schnell, ihre Stärken liegen vor allem in der Offensive, ihre defensiven Schwächen werden durch die Stabilität des defensiven Mittelfelds und der Innenverteidigung abgefedert.
Anders als sein direkter Vorgänger setzt Koller auf Kontinuität. An der Stammformation hat sich in den letzten Monaten kaum etwas verändert. Spieler, die sich bei ihren Klubs aufdrängen, werden zwar zum Teil einberufen, haben aber kaum eine Chance, sich in der Mannschaft zu etablieren. Dass Koller nicht von seinem Kader abweicht, ist erstens damit zu erklären, dass er nur Spieler auswählt, die seiner Philosophie entsprechen. Zweitens ist es ihm wichtiger, die Abstimmung von Passspiel und Laufwegen zu verbessern, als im Rahmen der knappen Vorbereitungszeit neue Spieler in die Mannschaft zu integrieren.
Stärke und Schwäche
Der Erfolg gibt Koller fast uneingeschränkt Recht. Die Spielweise, die er verfolgt, ist zielgerichtet und offensiv. Gegen Schweden profitierte Österreich davon, dass die Gastgeber mit Fortdauer der Partie mehr riskieren mussten und sich dadurch Räume und Konterchancen eröffneten. Das österreichische Nationalteam glänzt deshalb gerade gegen spielstarke Mannschaften.
Die Kehrseite der Kontinuität ist allerdings die ausrechenbare Spielanlage. Im Spiel gegen Moldawien im September offenbarte die österreichische Mannschaft ihre Ideenlosigkeit gegenüber Gegnern, die sich zurückziehen. Auf den offensiven Positionen mangelt es, aufgrund des Fokus auf die Physis, an kreativen Kräften. Spieler wie Nürnbergs Alessandro Schöpf und die Rapidler Louis Schaub und Florian Kainz könnten gerade gegen tiefstehende Mannschaften für neue Impulse sorgen.