Schlusspfiff bei britischen Wetterverhältnissen am Fußballplatz in Schollach. Die Los Amigos aus der Melktaler Hobbyliga haben an diesem 3. August hier unweit der Westautobahn und der Schallaburg zu ihrem jährlichen Turnier geladen. Dichte Wolken verdecken den Himmel, immer wieder regnet es kurz. Erst zur Siegerehrung hellt es etwas auf. Sportlich haben sich heute die Gastgeber durchgesetzt, doch auch andere der 14 Teilnehmer werden geehrt. Der beliebteste Nebenbewerb ist die Spritzerwertung. Den ganzen Tag schon ist jeder Spritzer, der über die Schank gewandert ist, auf einem Flipchart nach Teamnamen notiert worden – die trinkfreudigste Mannschaft gewinnt. Heuer ist das Kaimis Clubhaus mit 400 konsumierten Spritzweinen.
Die Spritzer werden in PLA-Bechern ausgeschenkt. Sie bestehen aus einem Bioplastik, das auf Maisstärke basiert und biologisch abbaubar ist. „Wir brauchen pro Veranstaltung rund 4.000 Becher. Alleine durch diese Umstellung sparen wir rund 60 Kilo reines Plastik ein“, sagt Lukas Fürst, Obmann der 2015 gegründeten Los Amigos. Ihre Veranstaltung ist kein Fußballturnier wie jedes andere, Nachhaltigkeit ist Teil des Programms. „Wir verzichten komplett auf Einwegplastik. Wir haben keine Plastikwasserflaschen, kein Plastikbesteck, keine Plastikteller“, sagt Fürst. „Wir kaufen auch die Würstel nicht eingepackt, sondern beim Fleischer unseres Vertrauens.“ Komplett lasse sich Plastik allerdings nicht vermeiden. Der Klub wollte bei der nächstgelegen Brauerei Paletten ohne die Plastikverpackung bestellen, das Ansuchen sei aber abgelehnt worden.
er Duft von frisch zubereiteten Burritos liegt in der Luft. Vor der Kantine des Schollacher Platzes ist ein Holzgestell mit Merchandise der Los Amigos aufgebaut. Gegen den Unkostenbeitrag von knapp 20 Euro werden hier Pullover und T-Shirts aus Biobaumwolle und recycelten PET-Flaschen angeboten. Alles ist unter fairen Bedingungen produziert, fair gehandelt und händisch per Siebdruck hergestellt. Michael Katzengruber ist auf dem Platz für die ruhenden Bälle zuständig. Im Gespräch erzählt der Freistoßspezialist, warum sich der Verein dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben hat. „Der Lukas war ein Semester fürs Studium in Indonesien. Als er zurückgekommen ist, hat er uns erzählt, wie katastrophal die Müllverschmutzung dort ist.“ Es folgen Geschichten über brennende Müllberge und ein völlig mit Plastik verschmutztes Meer. „Das hört sich vielleicht drastisch an“, sagt Fürst. „Aber es ist auch drastisch.“ Nach seiner Rückkehr wurde der Gedanke, Plastikmist zu reduzieren, Teil der Klubphilosophie. Nachhaltigkeit zählt nun neben Fußball, Gemeinschaft und Veranstaltungen zu den Säulen des Vereins. Nach der Siegerehrung feiern die Turniergäste in Schollach an diesem Augustabend bis spätnachts weiter. Am Morgen danach zeigt sich ein weiterer Vorteil der Plastikreduktion: Wird weniger Müll produziert, muss man auch weniger aufräumen.