„Austria Salzburg auch eher ungeduldig“, steht in der Nachricht, die am 24. März um 9.28 Uhr eintrifft. Der Salzburger Landesligist ist schneller als die ballesterer-Redaktion, er ruft auf Twitter und Facebook zur Unterstützung unseres Magazins auf. Den offiziellen Startschuss zur Kampagne geben wir erst eine knappe Stunde später. Was danach folgt, ist eine komplette Reizüberflutung, die immer noch schwer zu ordnen ist. Da sind die Social-Media-Kanäle, auf denen unsere Postings zigmal geteilt, kommentiert und mit eigenen Worten neu verbreitet werden. Der E-Mail-Posteingang, der von Solidaritätsbekundungen übergeht. Die Telefone, auf denen eine Nachricht nach der anderen eintrifft. Und die Kurve der Verkaufszahlen in unserem Onlineshop, die steil nach oben wandert. In den Tagen und Wochen danach gibt es in der Redaktion neben Corona nur ein Thema: ballesterer brennt.
DIE WELLE
Die Unterstützungserklärungen kommen von den unterschiedlichsten Seiten – von Herbert Prohaska bis zu den Rapid-Ultras. Sie kommen aus dem roten ebenso wie aus dem schwarzen Graz, von Blau-Weiß-Fans wie von LASKlern, von HSV-Anhängern wie Sankt-Pauli-Fans. Sie kommen von Abonnenten, die sofort dem ballesterer supporters club beitreten, ebenso wie von früheren Stammlesern, die ihr Abo erneuern, nachdem sie uns vor Jahren aus den Augen verloren hatten, und Nochnichtlesern, die durch Presseberichte neugierig geworden sind.
Wir erhalten Unterstützungsangebote jeglicher Couleur. Da ist der Veteran aus der Medienbranche, der uns von seinen Erfahrungen profitieren lassen möchte, der Anwalt, der uns sein Netzwerk zur Verfügung stellen will, der Student, der zwar mittellos ist, aber seine ehrenamtliche Mitarbeit anbietet. Da ist der Korneuburger Trafikant Andy, der den ballesterer auf die besten Verkaufsplätze hebt, der Grazer Modedesigner Florian, der ein T-Shirt für uns produzieren möchte, die Linzer Hip-Hop-Crew „Salon Supa“, die den ballesterer bei ihrem neuesten Video in die Kamera hält, die Hobbykickerrunde vom Archiv SV, die die Vereinskassa plündert, um für uns zu spenden. Kurz gesagt, es sind Nachrichten, die nicht nur unser Konto aufbessern, sondern auch das Herz erwärmen. Und es sind zu viele, um sie hier vollständig auflisten und nur annähernd ausreichend würdigen zu können.
DIE AKTIONEN
Ohne unser Zutun tauchen besonders kreative Aktionen im Netz auf. Eine hat Alois Gstöttner, der Mitgründer von NullAcht und Kicken ohne Grenzen, mit einer eigenen Spendenidee gestartet. Er bietet Prints der schönsten Bilder an, die er und die Fotografenkollegen Alexandre Battibugli und Reinaldo Coddou H. gemacht haben.
Die Erlöse gehen an ballesterer brennt. Eine ganz ähnliche Aktion startet der Berliner Fotograf Florian Reischauer mit Prints aus den Kurven von Livorno und Torino. Stephanie Dilba von den „Löwen-Fans gegen Rechts“ verkauft die letzten Bestände der von ihr verfassten Fußballfibel „TSV 1860 München“, um die Einnahmen zu spenden. Dasselbe macht das Grazer Künstlerkollektiv Zwupp mit den letzten zwölf Exemplaren seines prämierten Posters „Astronautovic“.
Obwohl die Coronakrise auch bei Verlagen, im Getränkehandel und der Modebranche voll einschlägt, kommen aus diesen Bereichen weitere Hilfen. Unser langjähriger Kooperationspartner, der Verlag Die Werkstatt, ruft zu Spenden für ballesterer brennt auf und verschenkt im Gegenzug Bücher an die Spender und Spenderinnen. Die Biersommeliers von BeerLovers melden sich in der Redaktion mit einem Vorschlag: Wir mögen doch eine Box mit unseren 16 Lieblingsbieren zusammenstellen, die sie dann ins Sortiment aufnehmen, um zwölf Euro pro verkaufter Box zu spenden.
Der Soccershop produziert gleichzeitig für uns die ersten ballesterer-T-Shirts seit mehr als zehn Jahren zum Selbstkostenpreis. Und als der FC Wacker Innsbruck die Aktion „Spiel gegen Corona“ startet, wird der ballesterer zur offiziellen Stadionzeitschrift des virtuellen Matches befördert – dafür bekommen wir fünf Prozent der Spendeneinnahmen.
DIE MEDIEN
ballesterer brennt ist nicht nur in unserer Community und im Freundeskreis ein Thema, auch in den Medien ist die Kampagne präsent. Das Branchenmagazin Horizont berichtet ebenso wie 90minuten.at, der Augustin, der Falter und das Hip-Hop-Magazin The Message. Nachdem die APA eine Meldung ausschickt, ist die Kampagne auf den wichtigsten Portalen des Landes zu finden, schließlich schreibt der Standard einen langen Hintergrundbericht, in dem er uns mit den Prädikaten erdig und nerdig adelt. Die Berichterstattung beschränkt sich nicht auf Österreich: Faszination Fankurve berichtet ebenso wie das Zeitspiel-Magazin, die taz, die junge Welt, die Medienmagazine Zapp und Altpapier sowie SENF aus Sankt Gallen.
Häufig sind wir auch zu hören. FM4 berichtet ebenso wie der Rasenfunk, in dem Chefredakteur Jakob Rosenberg lange mit 11Freunde-Gründer Philipp Köster plaudert. Wir sind zu Gast im Rapid-Podcast 1899fm und dem Magdeburger FCM-Podcast. BlauCrowd FM auf Radio Fro widmet uns gar ein zweistündiges Special mit Lesungen aus 20 Jahren ballesterer, Musik und Interviews. Die Podcasts Spielfrei und Collinas Erben werben ebenfalls für ballesterer brennt. Auch im Fernsehen sind wir zu sehen: ORF Sport+ befragt uns zur Kampagne, und Peter Hörmanseder von „Maschek“ plaudert in „Willkommen Österreich“ mit Dirk Stermann über den ballesterer. Den müsse man nämlich unbedingt lesen, erklärt er, auch wenn er in seinem Bücherregal zufällig neben dem unlesbaren Buch über oberösterreichische Straßen lagert.
Da auch die Straßen der übrigen Bundesländer aufgrund der Coronapandemie vorläufig weitgehend leer bleiben, haben wir einige Aktivitäten leider verschieben müssen. Wir versprechen aber, dass wir den Club 2×11 über unser Jubiläum, die 20-Jahres-Party im Alten Schlachthof und das Solifest der „Freund*innen der Friedhofstribüne“ im Flag sowie viele weitere Veranstaltungen nachholen werden. Von den Einschränkungen nicht unterkriegen ließ sich eine Gruppe von Vienna-Fans, die ein ballesterer brennt-Transparent statt auf der Hohen Warte nun einfach im Garten präsentierte.
Danke an alle für die großartige Unterstützung. Brennt für den ballesterer.