„Ja, das stimmt“, schallte es Anfang der 1990er Jahre aus dem Radio, dem Fernseher, von Kabarettbühnen und den Fußballplätzen. Urheber des näselnden Spruchs mit dem langgezogenen I sollte Toni Polster sein, zumindest in der Vorstellung von Kabarettist Martin „Mini“ Bydlinski. Seine Polster-Darstellung persiflierte nicht nur das reale Vorbild, sondern den einfach gestrickten, unfreiwillig komischen und sprachlich limitierten Fußballer, also den stereotypen Kicker.
Polster, der in den Qualifikationsspielen zur WM 1990 von den eigenen Fans ausgebuht wurde und später als medialer Sündenbock für das frühe Ausscheiden in Italien herhalten musste, wurde damit von Bydlinski und der Kabarettgruppe „Die Hektiker“ ein zweifelhaftes popkulturelles Denkmal gesetzt.
Medienkritische Blödelei
Dabei war die Parodie Zufall, wie „Hektiker“-Mitgründer Florian Scheuba dem ballesterer sagt: „Wir haben die Gruppe mit 16 gegründet. Schon im ersten Programm haben wir einen Fußballer parodiert.“ Im „WM Journal“, dem Soloalbum von Mini Bydlinski, kommen auch andere Protagonisten des Teams vor – vom für seine Härte bekannten Verteidiger Robert Pecl, der nach einem Gegentreffer einen Nervenzusammenbruch erleidet, über Gerhard Rodax, der nach einem Rhetorikkurs nur noch in Shakespeare-Versen spricht, bis zu Andy Ogris, der auf dem Weg zum Tor live fürs Fernsehen herumpöbelt.
Doch geblieben ist nur Polster. „Du bist mit ‚Ja, das stimmt‘ dauerpenetriert worden“, sagt Scheuba heute. Mit einem Polster-Interview im Programm „Nackt“, in dem Bydlinski noch einmal in die Rolle schlüpft und die restlichen „Hektiker“ als desinteressierte Reporter agieren, wollte die Gruppe mit der Kunstfigur abschließen. Doch das Werk hatte sich längst von den Schöpfern entkoppelt, das Zitat ging in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. „Ich habe keine Ahnung, nach welchen Gesetzmäßigkeiten so etwas funktioniert“, sagt Scheuba. „Aber das wäre eine spannende soziologische Studie.“
Dass die „Hektiker“ einen Anteil an Polsters öffentlichem Ruf in den 1990er Jahren haben, sieht Scheuba ambivalent: „Er hat das klassische Goalgetterschicksal erlitten: Triffst du, ist alles gut. Triffst du nicht, bist du der Sündenbock.“ Durch seine träge Spielweise habe Polster eben die Nation gespalten. „Es war eine Blödelei und nie etwas Ehrenrühriges dabei.“
Heute würde er trotzdem keine Polster-Parodie mehr machen. „Als wir angefangen haben, ist es uns nur darum gegangen, Spaß zu haben. Dass wir auch etwas zu sagen hatten, ist erst später gekommen.“ Im Polster-Spruch könne man aber auch Medienkritik sehen. „Wenn ein Reporter sagt: ‚Herr Polster, Sie haben heute mit Ihrem schönen Tor Österreich noch zum Sieg geschossen‘, was soll er anderes antworten als: ‚Ja das stimmt‘“, sagt Scheuba. „Die Antwort ist bereits in der Frage impliziert. Das ist eine Unart von Reportern, die bis heute anhält.“