Auf der Wand steht in verschnörkelter Schrift „da capo“, an einem Ende des Raums verhüllen rote Vorhänge eine Leinwand, das Parkett ist schon etwas abgetreten: Der große Saal der Volkshochschule Erlaa hat Stil. Er bietet nicht nur den vielen Kursen der Einrichtung Platz, auch ORF-Produktionen nutzten ihn bereits als Kulisse. Am Pfingstwochenende nutzte auch der ballesterer die Gastfreundschaft der VHS. Das erste Trainingslager der Magazingeschichte ging dort, in der Nähe des Wohnparks Alterlaa, über die Bühne. 15 Teilnehmer*innen kamen am Samstag pünktlich um 9:30 Uhr und hochmotiviert, um den ballesterer und seinen Leitspruch „Gegen den modernen Fußballjournalismus“ besser kennenzulernen.
Rätsel Für und Wider
Eröffnet wurde das Programm von der Chefredaktion. Jakob Rosenberg und Nicole Selmer stellten die Geschichte und die Gegenwart des Magazins vor und sich im Anschluss den Fragen und dem Feedback der Trainierenden. Die Wortmeldungen reichten von „Wie kommt ihr auf eure Titelgeschichten?“ über „Das Rätsel ist mir zu schwer“ zu „Das Rätsel ist genau richtig schwer“.
Im Anschluss folgte die Präsentation der Lieblingstexte aus dem Heft und eine Diskussion darüber, was sie denn stilistisch, inhaltlich und gestalterisch ausmache. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Satz „Der Mode-Tycoon Daniel Hechter behauptet, in der Saison 1957/58 fast einen Profivertrag als Tormann bei Red Star erspielt zu haben“ für seine Unterschwelligkeit und Ausdruck des ballesterer-Stils.
Nach dem Mittagessen, bestritten mit Lieferpizza, ging es ohne die Chefredaktion, dafür mit konkreten Übungen weiter. Aus vier unterschiedlichen Info-Dossiers über die Vienna, Blau-Weiß Linz, den TSV Hartberg und den Aufstiegskampf in der Oberösterreichliga sollten die Teilnehmer*innen Ideen für Geschichten und unterschiedliche Formate entwickeln. Aufgrund der hohen Temperaturen entwickelte sich die Nachmittagseinheit zwar nicht zur Hitzeschlacht von Lausanne, aber zur Wärmeauseinandersetzung von Liesing.
Planspiel mit Ultra
In den angenehmen Morgenstunden ging es am Sonntag spielerisch weiter. Anhand eines fiktiven Fallbeispiels interviewten die Teilnehmer*innen zunächst einen Ultra eines aufstrebenden Klubs mit stolzer Geschichte (dargestellt von einem Ultra, danke!) und danach den sonnenköniglichen Präsidenten desselben erfundenen Verein (dargestellt von Kursleiter Moritz Ablinger im Sakko), und lernten so die Verschwiegenheit von aktiven Fans und die Redseligkeit von Funktionären kennen.
Nach dem Mittagessen, bestritten mit Lieferpizza, wurde es schließlich ganz konkret. Die Teilnehmer*innen, die sich schon im Vorfeld Gedanken über eigene Texte für den ballesterer gemacht hatten, entwickelten diese Ideen weiter. In Kleingruppen und mit Rückmeldungen der zurückgekehrten Chefredaktion wurde noch einmal eine Stunde trainiert. Am Ende standen konkrete Vorschläge für Artikel, die die Teilnehmer*innen in den nächsten Monaten schreiben und im ballesterer veröffentlichen werden. Die abschließende Feedbackrunde offenbarte Verbesserungsvorschläge, beispielsweise bei der Diversifizierung des Speiseplans, vor allem aber den großen Spaß und die Begeisterung der Teilnehmer*innen und des ballesterer. Der Ausklang fand dann nicht mehr im malerischen Saal der VHS, sondern beim Heurigen in Mauer statt. Es wird ein da capo geben.