Das Scheiberlspiel ist eine Frühform des guardiolischen tiki-taka, das von Österreichs Nationalteam geprägt wurde. Anfang der 1930er Jahre begeisterte das „Wunderteam“ mit flachem Kombinationsspiel, Eleganz und Leichtigkeit auf dem Feld. Und weil beim von ballesterer und 1210 Wien organisierten Scheiberlcup ein ähnlicher One-Touch-Football in seiner geschmackvollsten Form gespielt werden soll, ist das Scheiberlspiel Namensgeber des Turniers, das heuer zum vierten Mal stattfand.
Zugegeben, raffinierte Spielzüge und elegante Ballstafetten waren auf dem 1210-Platz im 21. Wiener Gemeindebezirk nur wenige Minuten geboten. Je länger das Turnier dauerte und die Sonne bei fast 30 Grad auf die immer müder werdenden Häupter schien, desto eher bediente man sich des englischen Kick & Rush, später am Tag dann des Kick & Walk. Die 17 teilnehmenden Mannschaften trafen sich nämlich schon ab 11 Uhr, um dann bis etwa 18 Uhr jeweils acht bis zehn Spiele à acht Minuten zu bestreiten.
Vor der Mittagspause wurden in zwei Sechser- und einer Fünfergruppe die Teilnehmer*innen für die Endrunden des Scheiberlcup ausgespielt. Danach ging es gestärkt durch Köstlichkeiten von Grill und Fass weiter. Fortan spielten die jeweils besten zwei Teams der Gruppen im Cup de Champagne, die mittleren Teams im Kaiserspritzer-Cup und die beiden letzten Mannschaften um den Dosenbier-Titel.
ballesterer Werkself – die Leistung, ein Gedicht
„Er spielte Fußball wie kein zweiter / er stak voll Witz und Phantasie. / Er spielte lässig, leicht und heiter / er spielte stets, er kämpfte nie“, dichtete Friedrich Torberg einst über „Wunderteam“-Stürmer Matthias Sindelar, den „Papierenen“. Er könnte damit aber genauso gut Nico Lendl, den „Noch immer Regenerierenden“, gemeint haben, der für die ballesterer Betriebsmannschaft nahezu alle Tore schoss.
So brachte die Werkself des Magazins zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts manchmal halbwegs ansprechende Leistungen auf das Feld. Dennoch verpasste sie in der Vorrunde knapp die ersten zwei Ränge. Wäre Sindelar für den ballesterer aufgelaufen, hätte er wohl zu Verbandskapitän Jakob Rosenberg gesagt: „Z’wenich gscheiwalt homma hoid.“ Die Mannschaft, zusammengestellt und befehligt von Goalie Dominik Sinnreich, trat dann im Kaiserspritzer-Cup an.
Dass der ballesterer diesen gewann, warf Fragen nach den Besitzverhältnissen beim Scheiberlcup auf. So hatte die Werkself entscheidende Punkte für den Gewinn des zweitwichtigsten Titels gegen das eigene B-Team erspielt, das getarnt als Torpedo Lainz Legenden antrat. Darf die ballesterer Zeitschriftenverlag GmbH ein zweites Team im gleichen Wettbewerb besitzen, das der A-Mannschaft quasi als Farmteam dient und ihr die benötigten Punkte für den Titel zuspielt? „Es ist eine Grauzone“, sagte ballesterer-Chefreporter Moritz Ablinger, nachdem er gerade seinen Becher mit dem gewonnen Spritzwein in einem Zug ausgetrunken hatte.
„MONOBROTHER“ AM MIC
Nachdem die letzten Entscheidungen in den drei Pokalen getroffen waren, bekamen alle teilnehmenden Teams noch Urkunden mit ihren Platzierungen. Die Sieger*innen des Dosenbier-Cups vom „FC Zukunft“ durften sich aber nicht über Dosenbier freuen, alle Spieler*innen des Teams waren noch minderjährig. Stattdessen gab es Eistee. Die Sieger*innen des Cup de Champagne, das Team „Toni lass es polstern“, schlürfte später ihren Champagner. Alle Titelträger*innen erhielten außerdem noch einen Spielball der Initiative fairplay, die erneut Projektpartner des Scheiberlcups waren. Deutlich sichtbar auch durch das am Zaun platzierte Banner zur aktuellen Kampagne „Unser Spiel für Menschenrechte“.
Für den Ausklang des Abends sorgte der Wiener Rapper und bekennende Austrianer „Monobrother“. Bei langsam untergehender Abendsonne spittete er die Bars und deliverte die Punchlines in einer Art, von der manche MCs nur träumen können. Das Publikum nickte ab.
So nahm ein schöner Tag seinen Abschluss, und wir freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Danke, an alle, die uns bei der Organisation unterstützt und damit geholfen haben, dass der Scheiberlcup stattfinden konnte. Und danke an die Teams:
AG Prosciutto Mais Zwiebel Extra Käse
Toni lass es polstern
FC Irgendwelche
Autorenteam
Kicken ohne Grenzen
Sporting Tuttenkraxxe
ballesterer
Turbine Wien
FC Schniedlzwerg
I furiosi
Torpedo Lainz Legenden
FC Zukunft Wien
SV Atemnot
Royal Rainer
1210 Rising Stars
Lobby 16
Türkgücü Wien