Am spektakulärsten ist die Aussicht: Fast 2.000 Meter ragt der Untersberg hinter der Stehplatztribüne in die Höhe, ab Oktober ist er im Regelfall schneebedeckt. Ansonsten ist das Stadion in Salzburg-Maxglan im Nordosten der Stadt unscheinbar. Eine zweite Tribüne gibt es noch, ein Vereinshaus mit Pizzeria, einen angrenzenden Trainingsplatz mit Kunstrasen. Die Anlage ist ein Unterhausplatz wie viele andere.
In den letzten 15 Jahren ist der Sportplatz Maxglan zur Heimstätte der Salzburger Austria geworden. Nach der Übernahme von Red Bull und der Neugründung durch die Fans zog sie 2007 hierher. Hier hat der Klub den Weg zurück in den Profibetrieb und die darauffolgende Insolvenz erlebt, heute spielt er in der drittklassigen Eliteliga Salzburg. Doch ab 2024 kann die Austria das nicht mehr in Maxglan tun, ein Teil der Anlage wird Wohnungen weichen. Der Klub muss sich eine neue Heimat suchen. Am liebsten würde er in ein neues Stadion übersiedeln, das die Lizenzkriterien des Profifußballs erfüllt. Die Austria hat einen Investor an der Hand, der das Projekt finanzieren möchte. Doch die Pläne sind umstritten, der Bürgermeister stellt sich quer. Im schlimmsten Fall muss die Austria sogar die Stadt verlassen, deren Namen sie trägt.
Freilassinger Bauherr
Fast zwei Jahre ist es her, dass die Salzburger ihren neuen Sponsor präsentierten: Max Aicher, Unternehmer aus dem bayrischen Freilassing. Einen niedrigen fünfstelligen Betrag überwies der damals 85-Jährige. Ein richtiger Geldregen sei das zwar nicht, stellte der Verein klar, doch ein wichtiger Schritt zur Entschuldung. Der Verein erholte sich nur langsam von der Insolvenz 2015. Mit der Summe erwarb Aicher die Namensrechte für das Stadion.
Zu Unruhe beim Fanverein führte das nicht. „Der Sportplatz hat ja auch davor schon Sponsorennamen getragen“, sagt Martin Hassler, Mitglied der „Union Ultra“, dem ballesterer. „Der Name der Anlage hat für die Austria keine historische Bedeutung.“ Als Aicher vorgestellt wird, weiß der Verein schon, dass seine Tage in Maxglan gezählt sind. Direkter Nachbar ist die Brauerei Stiegl, ein Teil des Kunstrasenplatzes liegt sogar auf dem Grund des Unternehmens. Schon länger spielt Stiegl mit dem Gedanken, dort Immobilien zu errichten.
Im Sommer des Vorjahres erhielt die Austria Gewissheit. Ab 2024 sollen Wohnungen am Standort entstehen, der Trainingsplatz und die Fantribüne müssen weg. „Damit war endgültig klar, dass wir dort keine Zukunft haben“, sagt Austria-Vizepräsident David Rettenbacher. Schon länger liefen im Hintergrund Gespräche über eine neue Heimstätte, auch mit Sponsor Aicher. Was genau den Milliardär zu seinem Engagement bewog, wissen die Austrianer zwar nicht, doch er spiele sich nicht als großer Zampano auf und wisse, wie der Verein ticke. Das Auskommen sei sehr gut. Aicher unterstützt auch in Freilassing den Fußballverein, auch dort arbeitet er an einem Stadionprojekt. Eine ballesterer-Anfrage, wieso er sich bei der Austria engagiere, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Der Bayer übernahm in den 1960er Jahren den Baukonzern seines Vaters, mittlerweile hat die Unternehmensgruppe einen Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro. Er kaufte quer über den Globus Stahlwerke, in Deutschland und Österreich wurde er auch auf dem Immobiliensektor aktiv. „Schon bei Abschluss des ersten Sponsorvertrags haben einige insgeheim gehofft, dass er uns als Experte auf diesem Gebiet auch in der Stadionfrage helfen könnte“, sagt Rettenbacher.
Salzburger Schenkung
Die Hoffnungen schienen sich Anfang Dezember zu erfüllen. Bei einer Pressekonferenz stellte Aicher mit Vereinspräsident Claus Salzmann und dem Salzburger Landesverbandspräsidenten Herbert Hübl ein Bauprojekt vor. Am Messegelände soll anstelle eines großen Parkplatzes ein Stadion mit vier darin integrierten Wohnhäusern entstehen. Die Kosten von 198 Millionen Euro würde das Unternehmen tragen, refinanzieren sollen das Ganze die Wohnhäuser. Das rund 30 Millionen teure Stadion wiill Aicher der Stadt schenken. Es soll 5.000 Zuschauern Platz bieten, damit die Lizenzauflagen der Bundesliga erfüllen und außerdem dem Footballteam Salzburg Ducks als Heimstätte dienen. „Aber wir können nur ein Angebot an die Politik machen“, sagte Aicher auf der Pressekonferenz.
Denn die Messe, im Herzen Salzburgs gelegen, gehört zu 20 Prozent der Wirtschaftskammer und zu je 40 Prozent dem Land und der Stadt. Vor allem Letztere zeigte sich von Aichers Vorschlag nicht begeistert. „Schenken klingt ganz nett, es entstehen dann aber auch Betriebskosten“, sagte ÖVP-Bürgermeister Harald Preuner am Tag nach der Pressekonferenz der Kronen Zeitung. „Wir können ja nicht jedem ein Stadion bauen.“
„So schnell, wie man das Thema abwürgen wollte, wirkt es schon so, als hätte die ÖVP ein Problem mit uns“, sagt Rettenbacher. Gemeinsam mit den Footballern starteten die Fußballer kurz vor Weihnachten eine Petition für die Umsetzung des Bauprojekts, knapp 10.000 Unterschriften kamen in den ersten beiden Wochen zusammen. Auf Drängen von SPÖ, FPÖ und NEOS wird das Projekt nun zumindest einer genaueren Prüfung unterzogen, die Kosten und Nutzen für die Stadt untersuchen soll. „Aber ohne die ÖVP wird es nicht gehen“, sagt Rettenbacher. „Grenzenlos optimistisch bin ich nicht, aber wir haben gelernt, niemals aufzugeben.“
Pragmatische Sicht
Bürgermeister Preuner würde die Austria lieber außerhalb der Stadt sehen, dort, wo schon ein Ligakonkurrent spielt: im Vorort Grödig. Der einstige Bundesligist hat seine Heimstätte nie zurückgebaut, sie verfügt immer noch über 4.300 Plätze. Salzburg dauerhaft zu verlassen, käme für die Austria zwar einer Demütigung gleich, ein gewisser Pragmatismus macht sich dennoch breit: „Die Lage ist furchtbar, aber die Hintertortribüne ganz geil“, sagt Hassler. „Vor ein paar Jahren wäre es für einen großen Teil der Fanszene undenkbar gewesen, in Grödig zu spielen. Heute können sich das viele zumindest vorübergehend vorstellen.“
Denn einen Hoffnungsschimmer sehen die Austrianer. Würde die Stadt dem Projekt bei der Messe die Zustimmung verweigern, könnte man weitere Standorte prüfen. Viele davon gibt es in Salzburg nicht, vielleicht würde die Expertise von Sponsor Aicher aber ein paar Türen öffnen. Und während die Austria sucht, könnte sie Grödig als Provisorium nutzen. „Als Übergangslösung würde das passen.“, sagt Hassler. „Wir spielen ein, zwei Jahre dort, und in der Zwischenzeit entsteht in der Stadt unser neues Stadion.“