Bevor die Gäste am Podium zu Wort kamen, war jedoch Zeit für ein Dankeschön und Geschenkeübergaben an Christian Jahl, den langjährigen Leiter der Hauptbücherei, Mitbegründer des Club 2 × 11 und bekennenden Austrianer. Am Podium fehlte der FK Austria aufgrund kurzfristiger Absagen leider, den Auftakt der Diskussion unter Moderation von ballesterer-Chefredakteur Jakob Rosenberg bestritt daher die grüne Hälfte des Wiener Derbys allein. Bevor er als Spieler nach Wien gekommen sei, sagte Rapids Sportkoordinator Steffen Hofmann, habe er keinen Eindruck von der Fußballstadt Wien gehabt. Das hat sich längst geändert. „Ich bin immer glücklich hier gewesen. Ich habe gewusst, was ich an der Stadt und am Verein habe“, sagte er. Das gehe auch jungen Spielern heute so. „Wien zieht.“
Die Zugkraft der Stadt bestätigte auch der nächste Podiumsgast, Christian Kirchengast vom Floridsdorfer AC. „Der Standort Wien ist sehr gut, um sich Spielern aus ganz Österreich zu präsentieren“, sagte er. Der FAC habe für den Nachwuchs trotz der sportlichen Übermacht der beiden großen Klubs eine gewisse Strahlkraft, er sei Talenteschmiede – und habe durchaus Ambitionen. „Wir verfolgen eine Politik der kleinen Schritte. Einem Aufstieg verwehren wir uns nicht“, sagte der ehemalige Geschäftsführer, der den Klub weiter berät. „Wir sind heute routinierter als beim ersten Versuch vor drei Jahren.“ Mit Blick auf den Bezirk Floridsdorf sagte er: „Es gibt viel Potenzial über der Donau.“
Erstligafußball und Titelfeiern im 21. Bezirk hat Sabine Eder erlebt. Mit USC Landhaus hat sie zwischen 1988 und 2007 fünf Meisterschaften gewonnen. „Damals war der Verein ein Begriff“, sagte sie und schildert zugleich die nicht immer einfachen Bedingungen für Fußballerinnen. „Fußball von Frauen ist damals als Hobby angesehen worden. Wir durften zu Beginn nicht am Rasenplatz trainieren und hatten keine einheitlichen Trainingsdressen, mussten uns alles selbst besorgen.“ Heute ist Eder ehrenamtlich als Trainerin beim Wiener Sport-Club tätig. „Die Trainingsphilosophie hat sich stark verändert, es wird mehr auf Details geachtet, den Spielerinnen ist mehr bewusst, was sie brauchen.“ Eine andere Differenz wurde im Gespräch mit Nina Burger deutlich. Die Rekordtorschützin des Nationalteams und heutige sportliche Leiterin der Vienna-Frauen hat es erst am Ende ihrer aktiven Karriere nach Wien gezogen. „Landhaus war damals der Rivale“, sagte die langjährige Neulengbach-Spielerin. „Ein Wechsel nach Wien ist nicht infragegekommen.“ Während Sabine Eder von Länderspielen im Horr-Stadion berichten kann, hat Burger in ihrer Teamkarriere nie in der Hauptstadt gespielt. Das soll künftig anders werden. „Wir wollen wieder Länderspiele der Frauen nach Wien holen, da wäre ich dahinter“, sagte sie. „Warum nicht auf der Hohen Warte?“ Ihre Pläne für die Vienna sind klar: „Es soll nach oben gehen. Das Fundament ist da. Kurz- bis mittelfristig wollen wir mit den Frauen die Nummer eins der Stadt werden.“
Dass der Wiener Sport-Club die Nummer eins der Stadt war, ist schon ein Zeiterl her. Seitdem hat der Klub aus Hernals sich gewandelt, der Bezug auf die Tradition sei jedoch noch immer wichtig, sagte Wolfgang Raml. „Das macht noch immer einen Teil unserer Anziehung aus.“ Dazu gehören heute aber auch die vielen Sektionen, der WSC ist ein Multisportklub mit großem sozialen Zusammenhalt. „Ich wünsche mir, dass Eltern in Hernals ihre Kinder zur Ausbildung zu uns schicken“, sagte der Präsident. „Ein sportlich hohes Niveau ist uns wichtig. Aber wir wollen uns treu bleiben und uns nicht fremdbestimmen lassen.“ Raml, der selbst erfolgreicher Schwimmer ist, hat den Klub schon als Fußballfan auf der Friedhofstribüne mitgeprägt und auch die Schattenseiten erlebt. „Wir haben zwei Konkurse gehabt und nicht gewusst, ob es den Verein am nächsten Tag noch gibt. Das prägt“, sagte er. „Unser Auftrag heute ist es, den Verein weitere 130 Jahre zu erhalten.“
Auf eine Publikumsfrage nach Fußballerinnen beim SK Rapid sagte Steffen Hofmann: „Ich gehe davon aus, dass wir in naher Zukunft ein Frauenteam haben. Ich bin auch dafür, ich find’s gut.“ Einig war sich das Podium darin, dass es in Wien zu wenige Plätze gibt. „Wir sind schon froh, wenn wir das verteidigen können, was wir haben“, sagte Wolfgang Raml. „Hier sind die Stadt Wien und der Wiener Fußballverband gefordert“, sagte Sabine Eder. „Auch bei neuen Wohngebieten. In der Seestadt gibt es keinen Fußballplatz.“
Abschließend ging es um die Frage, wann denn ein Wiener Klub wieder einen Meistertitel feiern könne. „Wir haben jetzt genug gesudert, es ist Zeit zu träumen“, sagte Nina Burger. „Mit den Frauen haben wir den Meistertitel durchaus als Ziel.“ Auch Steffen Hofmann möchte den Titel wieder einmal nach Hütteldorf holen. „Wir müssen da sein, wenn Salzburg schwächelt“, sagte er. Der FAC konzentriert sich laut Christian Kirchengast erst einmal auf die Zweitligameisterschaft. Das letzte, nicht ganz ernste Wort hatte Wolfgang Raml: „Einen Wiener Meister gibt es spätestens in der Saison, nachdem der Sport-Club wieder in der Bundesliga spielt“, sagte er. „Und wahrscheinlich ist’s dann die Vienna.“