„Und dann gibt es noch so Warme, die immer hinfallen und selber die ganze Zeit foulen. Die sind total unfair, diese Warmen. Wenn man auf den Vastic eine Kamera über das ganze Spiel richtet, dann würde man diese dreckigen Aktionen alle sehen!“ Diese Aussage von GAK- und Teamspieler Anton Ehmann aus der laufenden Saison 2004/05 ist nur ein Beispiel für die weit verbreitete Schwulenfeindlichkeit in Österreichs Stadien. Otto Baric betätigte sich vor nicht allzu langer Zeit als Hellseher und meinte, er erkenne jeden schwulen Spieler innerhalb von zehn Minuten und möchte keinen in seinem Team haben. Auf den Rängen wird gleich die gesamte gegnerische Mannschaft als schwul beschimpft.
Lippenbekenntnisse
In einem Programm des „Bündnisses Aktiver Fußballfans“, in dem es für ein verstärktes Vorgehen gegen Schwulenfeindlichkeit eintritt, fordert die deutsche Faninitiative, einen Paragrafen gegen Sexismus in jede Stadion- und Vereinssatzung aufzunehmen. Obwohl das von den meisten Vereinen auch bewerkstelligt wurde, scheint es nicht viel an der Situation geändert zu haben. Für Kurt Krickler, Generalsekretär der Homosexuellen Initiative Wien, ist es trotzdem mehr als ein Lippenbekenntnis: „Ich halte das schon für sinnvoll, denn so setzen sich die Vereine zumindest damit auseinander. Das Thema war ohnehin viel zu lange tabuisiert. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass jetzt eine offenere Debatte stattfindet.“
Die offenere Debatte erkennen auch die Vereine, denn die Fans reagieren offenbar sensibler, wie GAK-Teammanager Christian Leger bezüglich der Aussage von Anton Ehmann bestätigt: „Es hat natürlich ein Gespräch zwischen Toni Ehmann und der sportlichen Führung gegeben, denn wir haben sehr viele E-Mails mit negativem Inhalt bekommen.“ Die ballesterer-Anfrage um ein Statement von Ehmann beantwortete der GAK mit dem Versprechen, das diesbezügliche E-Mail an den Spieler weiterzuleiten. Ehmanns Antwort ist bis Redaktionsschluss nicht eingetroffen. Trotz Enttabuisierungsschritten und offenerer Debatte wälzen Vereine und Fangruppen die Verantwortung auch weiterhin in erster Linie auf die Gesellschaft ab. Georg Rath, Mitglied des GAK-Fanklubs „Barbarossa“, sagt: „Es ist ein gesellschaftliches und kein fußballerisches Problem. Die GAK-Fans sind sich darüber einig, dass der Verein das Wichtigste ist, Politik sollte einfach draußen gelassen werden.“ Die Klubs argumentieren ebenfalls meist mit der Neutralität des Sports. Homophobie sei ein Problem, um das sich die Politik zu kümmern habe und nicht der Sport. Vergessen wird dabei, dass Sport, und besonders Fußball, ein gesellschaftlicher Akt ist. Wie durch eine Lupe lassen sich im Fußball bei Spielern und Fans Emotionen im Vergleich zur Alltagswelt vergrößert beobachten.
Vorbild Vastic
Beim Thema Homophobie scheint der Lebensraum Stadion der Alltagswelt aber hinterherzuhinken. Während die Gesellschaft Homosexuellen gegenüber toleranter wird, verbieten die vorhandenen Männlichkeitswerte im Fußball gleichgeschlechtliche Sexualität. Um der Homophobie im Fußball entgegenzutreten, ist „BAFF“ überzeugt, dass das Outing eines Spielers die herrschenden Vorurteile zerstreuen könnte. Kurt Krickler von der HOSI glaubt aber, dass ein Outing für Fußballer gefährliche Folgen haben kann: „Das würde wohl zu einem Spießrutenlauf für diesen Menschen werden. Funktionieren kann es nur bei wirklich bekannten Personen, denn die sind vor
Mobbing gefeit.“ Ein wichtiger Schritt ist aber auch schon gemacht, wenn bekannte Spieler öffentlich das Recht auf Homosexualität verteidigen. Ivica Vastic hat das getan. Von der Antidiskriminierungsinitiative FairPlay auf Ehmanns Äußerungen angesprochen, sagte der Austrianer: „Es ist ihm wohl nicht bewusst, dass seine Worte in der Gesellschaft eine andere Wirkung haben als wenn das jemand auf der Straße sagt. Jeder hat das Recht, so zu leben, wie er möchte.“