„Wichtig“ – so beschreibt Friedrich Merz die Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate im Sudan und im Jemen. Dort befeuern sie als Kriegspartei humanitäre Krisen. Der deutsche Kanzler spricht nach einem Termin mit Präsident Muhammad bin Zayid Al Nahyan nur kurz über die Konflikte der Region, ausführlich aber darüber, wie er die Beziehungen zu den Emiraten intensivieren möchte. In den Tagen davor hat Merz ähnliche Treffen in Saudi-Arabien und Katar gehabt, es geht um Rüstung und Sicherheit, um Öl und Investitionen. In den Emiraten ist er noch bei einem weiteren Termin zu Gast: Die DFL und die UAE Pro League schließen einen Kooperationsvertrag ab. Merz gibt, gemeinsam mit Weltmeister Benedikt Höwedes, den Posterboy, bei der langfristigen Zusammenarbeit zwischen den Ligen soll es um Talenteförderung und Wissensaustausch gehen.
In den Pressestatements von Politik und Fußball fallen typische Phrasen von bedeutender Zusammenarbeit und langfristigem Engagement. Menschenrechtsfragen werden ausgelassen. Merz spricht die Beteiligung der Emirate an den Konflikten im Jemen und dem Sudan immerhin an. Die DFL lässt dieses und ähnliche unbequeme Themen in ihrer Aussendung gleich ganz weg: kein Wort zur fehlenden Presse- und Meinungsfreiheit, zur Unterdrückung von Opposition und der Ausbeutung von Arbeitsmigrant*innen.
Menschenrechtsfragen sind und waren im Fußball schon immer zweitrangig. Für kurze Zeit schien es, als würden sie ernst genommen, rund um die Vergabe und Austragung der WM in Katar, rund um Trainingslager und Sponsorings in und aus den Golfstaaten. Der öffentliche Druck durch Fans, Medien, NGOs und Politik brachte Vereine und Verbände damals in Erklärungsnot. Doch seitdem haben sich die Golfstaaten etabliert: als Vermittler in internationalen Konflikten, als verlässlicher Lieferant von Öl und Gas – und als Ausrichter von internationalen Fußballturnieren wie Asienmeisterschaft und Klub-WM. Viele Fans haben sich daran gewöhnt.
„Die deutsche Politik erkennt mittlerweile, dass Staaten wie Saudi-Arabien keine Partner der Wahl mehr sind, sondern Partner der Notwendigkeit“, sagte Sebastian Sons, Experte für die Golfregion, gegenüber der Frankfurter Rundschau. Auch die DFL spricht in ihrer Aussendung zur Kooperation mit der UAE Pro League von einem Schlüsselmarkt. Allerdings sind Saudi-Arabien, Katar und die Arabischen Emirate für den Fußball nicht von essenzieller Bedeutung. Verträge mit ihnen erscheinen aber lukrativ. Die Golfstaaten sind keine Partner der Notwendigkeit, sondern Partner der Wahl, die inzwischen akzeptiert sind. Fragen nach Menschenrechten in der Golfregion müssen die Verbände nicht mehr beantworten. Nicht, weil sie sich in der Auseinandersetzung mit ihnen besonders gut angestellt hätten, eher im Gegenteil. Dass kritische Worte ausgespart werden, beweist, dass sie nie besonders ernst gemeint waren. Die Verbände haben es den aktuellen politischen Krisen und einer sich verändernden Weltordnung zu verdanken, dass sie die Politik von ihrer Agenda streichen können.