Im Mai 2015 gewinnt Frankreich gegen Deutschland 4:1 und holt damit den Titel bei der U17-EM in Bulgarien. Im Tor der französischen Auswahl steht mit Luca Zidane der Sohn von Zinedine Zidane. Aber nicht er lässt die anwesenden Scouts staunen, sondern Dayot Upamecano. „Dayot war damals erst 16 Jahre alt, aber schon unglaublich weit für sein Alter“, sagt Christoph Freund, der Sportdirektor von Red Bull Salzburg. „Er hatte Angebote von vielen europäischen Topklubs.“ Upamecano entschied sich jedoch gegen Bayern München, Juventus und Arsenal und für Salzburg und das Konzept Red Bull. Er ist zu einem Musterschüler der Fußballstrategie des Konzerns geworden.
Konzernprofil
Bevor Upamecano in der Bundesliga auflaufen darf, wird er zum Farmteam nach Liefering geschickt. Dort soll er das extreme Pressing verinnerlichen, das Red Bull zum Markenzeichen und Erfolgsrezept seiner Mannschaften auserkoren hat. Franz Schiemer, heute Manager bei der SV Ried, war 2016 Co-Trainer in Liefering. Der Zweitligaklub bilde die Basis des Salzburger Erfolgs, sagt er. „Dort werden die Grundlagen für die Spielphilosophie gelegt.“ Doch bereits beim Scouting würden nur ganz spezielle Spielertypen ins Auge gefasst. „Für die Art, wie wir Fußball spielen wollen, brauchen wir Teamplayer, richtige Arbeiter“, sagt Christoph Freund. Die entscheidenden Attribute seien Mut zum vertikalen Spiel, Schnelligkeit sowie die richtige Mentalität.
Dayot Upamecano bringt diese Eigenschaften mit und lernt schnell. Noch in der Saison 2015/16 debütiert er für Red Bull Salzburg in der Bundesliga. Im März 2016 kommt er gegen den SV Mattersburg zum Einsatz. Die hohen Erwartungen nach der Verpflichtung scheinen dem damals 17-Jährigen nichts auszumachen. „Junge Spieler, die zu uns kommen, haben den Vorteil, dass wir uns viel intensiver um sie kümmern, als das bei Großklubs der Fall wäre“, sagt Freund. Im Sommer 2016 etabliert sich Upamecano als Leistungsträger der Mannschaft. 15-mal steht er für die Salzburger in der Hinrunde auf dem Platz, fast immer über die volle Distanz. Sein Alter ist ihm in manchen Situationen anzumerken. Zwar erhält er nur drei Gelbe Karten, kassiert aber mit einer Gelb-Roten und einer Roten Karte zwei Platzverweise.
18 Jahre und drei Profiklubs
In der Winterpause verabschiedet sich der U17-Europameister aus Österreich und folgt den Lockrufen aus Leipzig. „Für die Spieler hat so ein Transfer natürlich viele Vorteile aufgrund der Synergie zwischen Salzburg und Leipzig“, sagt Franz Schiemer, der aber selbst nicht gedacht hätte, dass es so schnell gehen wird. In Leipzig spielt Upamecano mit inzwischen 18 Jahren bei seinem dritten Profiverein. „Es gab so viele Anfragen für Dayot, er wäre im Winter nicht zu halten gewesen“, sagt Christoph Freund. Upamecano ist der siebte Spieler mit Salzburger Vergangenheit im aktuellen Kader von RB Leipzig. „Klar ist das den Fans schwer zu verkaufen, aber so ist es halt im Fußball“, sagt der ehemalige Salzburg-Verteidiger Schiemer. Er sehe Red Bull Salzburg nicht speziell als Ausbildungsverein für RB Leipzig, sondern die österreichische Liga generell als Ausbildungsliga.
Dass Wechsel zwischen Salzburg und Leipzig anders ablaufen als Transfers zwischen Vereinen mit weniger enger Verbindung, will Freund nicht bestätigen. Es würde mit Leipzig genauso verhandelt wie mit anderen Vereinen, Salzburg sei zudem auf die Transfererlöse angewiesen. Im Februar feiert Upamecano beim Heimspiel gegen den HSV schließlich sein Startelfdebüt für Leipzig. Doch das Experiment von Trainer Ralph Hasenhüttl geht schief, der Tabellenzweite kassiert eine 0:3-Niederlage, Upamecano wird nach einer halben Stunde ausgewechselt und wirkt einige Male von der Spielgeschwindigkeit überfordert. Für Christoph Freund bleibt er dennoch einer der kommenden Stars. „Aus meiner Sicht wird er irgendwann der beste Verteidiger der deutschen Bundesliga sein“, sagt er.
Ohne U23
Die Transfers aus Salzburg könnten für Leipzig in Zukunft noch an Bedeutung zunehmen. Zur kommenden Saison löst der Klub seine U23, die in der viertklassigen Regionalliga spielt, auf. „Unsere U19 wird dadurch eine noch größere und zentralere Bedeutung bekommen“, sagt RB-Leipzig-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. „Wir wollen damit auch unsere Philosophie noch konsequenter verfolgen und die Durchlässigkeit zu den Profis erhöhen.“ Doch der Sprung von der U19 in die Kampfmannschaft ist ein großer. In Salzburg wurde das durch den FC Liefering aufgefangen. „Das ist bei Verhandlungen etwas, das für uns spricht“, sagt Christoph Freund. „In Liefering spielen die Jungs nicht mehr gegen Gleichaltrige, sondern gegen Männer. Das hilft sehr bei der Entwicklung.“
Die Transfers zwischen Red Bull Salzburg und RB Leipzig könnten also in Zukunft verstärkt eine Möglichkeit bieten, junge Spieler, die in Österreich Spielpraxis gesammelt haben, in die deutsche Bundesliga zu holen. „Dort wird ein ähnlicher Fußball gespielt“, sagt Schiemer. „Die Jungs wissen, was sie erwartet.“