Das slowenische Team verlagert den Spielaufbau zu Jure Balkovec, der den Ball auf Höhe der Mittelinie zu Flügelstürmer Benjamin Verbic weiterleiten möchte. Seinen Pass fängt Stefan Posch ab, der den Ball ins Out befördert. So unterbindet der österreichische Verteidiger im EM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien am 13. Oktober eine mögliche Offensivaktion über den technisch versierten Stürmer Verbic. Trotz seines Siegestreffers zum 1:0 per Kopf interpretiert Posch die Position des rechten Außenverteidigers eher defensiv. Schließlich wird er bei seinem Verein, der TSG Hoffenheim, auch öfter als Innenverteidiger in einer Dreierkette eingesetzt. Er steht damit prototypisch für den Hybridverteidiger. Dieser neue Spielertyp muss seine Verteidigerposition sowohl in Systemen mit Dreierkette als auch mit Viererkette beherrschen.
Stabilität von außen
Bereits im Spiel gegen Israel wenige Tage zuvor, das Österreich 3:1 gewinnen wird, läuft Posch als rechter Außenverteidiger im 4-2-3-1 von Teamchef Franco Foda auf. Gegen Israel agiert er tiefer, häufig auf Höhe der Innenverteidiger, um in der vorsichtigen Strategie des Teams die Stabilität zu wahren.
Im Spiel gegen Slowenien setzt Foda fast auf die gleiche Startformation, lässt sein Team aber häufiger früh anpressen. Auch Posch rückt bei Ballbesitz weit auf, er wird jedoch selten in den Spielaufbau eingebunden. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, den Abstand zu seinen Vorderleuten zu verringern, um bei Ballverlust Angriffsversuche zu unterbinden. Bei Verlagerungen auf die ballferne Seite rückt Posch weit in die Mitte, um eine Überzahl zu erzeugen.
Seltene Kombination
Bei Hoffenheim ist der gebürtige Steirer in dieser Saison auch schon öfters als rechter Innenverteidiger in der Dreierabwehr aufgelaufen. Diese Position verlangt ähnliche Attribute wie die von Innenverteidigern in einer Viererkette: Souveränität im Stellungs- und Passspiel sowie in Zweikämpfen und Luftduellen. Allerdings spielen linke und rechte Verteidiger einer Dreierkette in der Regel weiter außen als klassische Innenverteidiger. Dafür benötigen sie, wie Posch, die Fähigkeit, eröffnende Pässe zu spielen. Zugleich müssen sie mindestens in Ansätzen auch das beherrschen, was üblicherweise Außenverteidiger einer Viererkette auszeichnet: Dynamik und Schnelligkeit, nicht nur im Laufverhalten, sondern auch im Passspiel.
Im Nationalteam ist Andreas Ulmer als linker Außenverteidiger gesetzt. Seine Stärken liegen im Vergleich zu Posch eher in solchen vertikalen Bewegungen, weshalb er stärker in Offensivaktionen eingebunden wird. Für die Rolle als Innenverteidiger eignet sich der Salzburger aber nicht.
Nur wenige Spieler erfüllen die Anforderungen, die im Abwehrzentrum und auf der Außenbahn erwartet werden. Neben Posch trifft das etwa auf David Alaba zu, der bereits als Innenverteidiger und zentraler Mittelfeldspieler agiert hat. Die vermehrten Wechsel zwischen Dreier- und Viererkette könnten den Spielertyp des Hybridverteidigers jedoch zunehmend auf die Wunschlisten der Trainer setzen.