Am Anfang war das Inserat. Als Roland Geldner am 12. November 1893 in der National-Zeitung zur Gründung eines Fußballklubs aufrief, kamen elf Männer. Es war der Beginn des Football-Club Basel – so die Überlieferung. Geldner, Mitglied des Basler Ruder Club, war des Ruderns überdrüssig geworden, er suchte nach einem Ergänzungssport und fand den Fußball. Nur elf Tage später trug der Klub ein erstes Spiel auf dem Sportplatz Landhof aus. Das Grundstück wurde von der damaligen Besitzerin unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Als Garderobe diente die Gartenlaube. Zwar fanden zwischen 1893 und 1895 auf dem Landhof-Rasen einige Partien statt, doch andere Sportarten verlangten ihren Platz. Auf dem Gelände entstand eine Radrennbahn, das Velodrome de Bale. Zudem fanden hier Leichtathletik- und Kegelbewerbe statt: Hans Gamper, der später den FC Barcelona gründen sollte, gewann am Landhof einen 1.600-Meter-Lauf.
Heute ist der Sportplatz ein grünes Idyll inmitten der Stadt, umgeben von grauen Genossenschaftsbauten mit bunten Balkonen und Gemeinschaftsgärten. Zwei Burschen duellieren sich gerade im Elferschießen. Dahinter thront rechteckig der Messeturm mit seiner verglasten Front, ein Stück moderne Architektur, das hier nicht hinzugehören scheint. Dabei ist es längst umgekehrt: Die Mustermesse Basel ist heute Sponsor der FC Basel 1893 Holding AG, ihr Geschäftsführer René Kamm sitzt im Verwaltungsrat des Klubs.
Matchball aus dem Flugzeug
Der FC Basel kehrte 1902 auf das Grundstück zurück, der „Ländi“ blieb mit einigen Unterbrechungen bis 1967 seine Heimstätte. Ein langfristiger Pachtvertrag konnte zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen werden, dennoch wurde früh in die Zukunft geplant. Im Frühjahr 1908, so hält das Vereinsprotokoll fest, wurde beschlossen, um 4.000 Franken eine Holztribüne zu errichten, um den Zuschlag für die Ausrichtung des Länderspiels zwischen der Schweiz und Deutschland am 5. April 1908 zu erhalten. Für Deutschland war die Begegnung im ersten Nationalstadion der Schweiz das erste Länderspiel überhaupt. 4.000 Zuschauer bejubelten bei Regen einen 5:3-Heimerfolg. Mit der Tribüne schaffte der FC Basel die Rahmenbedingungen, um damalige kontinentale Größen wie MTK Budapest und den SK Rapid zu empfangen.
Wo früher tausende Menschen auf den Traversen standen, hat heute die Natur ihren Platz eingenommen. Die Matchuhr steht noch auf maroden Holzpfosten da, sie ist zugewachsen, der Eterna-Schriftzug längst verblichen. Wo einst die Zeiger der Uhr befestigt waren, klafft ein Loch. Doch die Erinnerungen jener, die hier noch Spiele gesehen haben, könnten heute Bücher füllen: Etwa die Geschichte, wie eine Basler Auswahl am 7. Juni 1925 vor über 12.000 Zuschauern gegen Nacional Montevideo antrat und 2:5 unterlag. Das Team aus Uruguay war fast ident mit dem Sieger des olympischen Fußballturniers 1924 in Paris. Erste Tendenzen der Kommerzialisierung waren bereits damals zu sehen: Ein Kleinflugzeug warf vor Anpfiff den Matchball ab.
Wohnraum oder Wiese
Sportliche Erfolge des FC Basel waren rar, die Lokalrivalen FC Nordstern, Old Boys und Concordia Basel waren meist erfolgreicher. Es sollte bis 1953 dauern, ehe der Klub erstmals Schweizer Meister wurde. „Nie zuvor flatterte die rotblaue Fahne fröhlicher und stolzer am Fahnenmast“, schrieb der damalige Klubpräsident Jules Düblin. Sein 980. und letztes Nationalliga-Spiel trug der FCB 1967 am Landhof aus, fortan diente der Platz als Trainingsort, Vereinssitz und Spielstätte für Jugendteams.
Als sich der FCB 2001 mit der Fertigstellung des neuen St.-Jakob-Parks endgültig von seiner alten Heimstätte trennte, wurde ein Ideenwettbewerb für die Neugestaltung des Grundstücks durchgeführt. Das Siegerprojekt sah vier Gebäude mit 120 Wohnungen vor. Als Reaktion bildete sich 2006 die Bürgerinitiative „Der Landhof bleibt grün“. Eine kantonale Abstimmung endete 2010 mit 60 Prozent Ja-Stimmen, die Überbauung war vom Tisch. Doch danach stritten FCB-Anhänger, Umweltorganisationen und Anrainer weiter über die Zukunft des Areals. Die einen wollten den Fußballplatz samt historischer Tribüne erhalten, die anderen warben für öffentlichen Grünraum. Zuletzt schien ein Kompromiss gefunden: Der Sportplatz bleibt, das Tribünengebäude muss einem Quartiertreffpunkt weichen. Allerdings formierte sich erneut Widerstand – eine Petition zur Erhaltung des Tribünengebäudes wurde eingereicht. Derzeit liegt die Umgestaltung ohnehin auf Eis: Weil in der Nähe 200 neue Parkplätze geschaffen werden sollen, will die Stadtregierung erst eine öffentliche Ausschreibung abwarten.