Ägypten, Ghana und Kamerun haben gemeinsam mehr als die Hälfte aller Titel beim Afrika-Cup geholt. Bei der diesjährigen Auflage bekommen sie es mit alten Herausforderern wie Nigeria, der Elfenbeinküste und Senegal und neuen Konkurrenten aus dem Osten wie Kenia und Uganda zu tun.
Für die Gruppenauslosung setzten die Veranstalter auf viel Pomp und ein Postkartenmotiv: Sie fand direkt vor den Pyramiden von Gizeh statt. Wenn es nach Gastgeber Ägypten geht, soll die 32. Ausgabe des Afrika-Cup sowieso als großes Turnier in die Geschichte eingehen. Was die Anzahl der Teams angeht, trifft das schon einmal zu. Erstmals treten 24 Mannschaften statt wie bisher 16 an. Als Debütanten reisen Burundi, Madagaskar und Mauretanien an, überraschend fehlen Burkina Faso, der Drittplatzierte von 2017, Sambia, Afrika-Cup-Sieger von 2013, und Gabun mit Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang. Aus den sechs Gruppen qualifizieren sich jeweils die ersten beiden Teams sowie die vier besten Gruppendritten. Jonathan Wilson nannte die Ausweitung im Guardian eine schreckliche Idee. Dadurch schrumpfe die Liste an Ländern, die ein solches Turnier mit mindestens sechs Stadien ausrichten könne, noch weiter. Vor allem aber würde die Qualität des Fußballs leiden. „Die Gruppenphase verkommt mit weitgehend bedeutungslosen Spielen zur Qual.“
Leiden wird wohl der Zuspruch der Fans in der Gruppenphase, waren doch schon bei früheren Turnieren Spiele ohne die Beteiligung des Gastgeberteams oft spärlich besucht. Auch deswegen ist es für den Erfolg des Afrika-Cup essenziell, dass der Gastgeber möglichst weit kommt. Die Ausweitung ist aber nicht nur dem im Weltfußball grassierenden Größenwahn geschuldet, sondern auch eine Reaktion auf die Zunahme der an der Qualifikation teilnehmenden Verbände. Als 1998 in Burkina Faso erstmals mit 16 Teams gespielt wurde, bewarben sich dafür 36 Nationalteams. Für die jetzige Auflage waren es 51.
GRUPPE A: ÄGYPTEN, DR KONGO, UGANDA, SIMBABWE
Ägypten ist mit sieben Titeln alleiniger Rekordsieger, nach dem Triumph von 2010 soll nun im eigenen Land der achte folgen. Die WM in Russland verlief für das Team allerdings enttäuschend, Ägypten schied punktelos aus. Im August wurde mit Javier Aguirre ein neuer Teamchef engagiert, der mit seinem Heimatland Mexiko zwei WM-Turniere bestritten hat. Mit seiner Erfahrung und einem gesunden Mohamed Salah ist Ägypten ein Kandidat für das Finale. Um den zweiten Gruppenplatz dürften sich wohl die Demokratische Republik Kongo und Uganda streiten. Nach der Finalteilnahme 1978 musste Uganda vier Jahrzehnte auf eine erneute Qualifikation warten. Teamchef Sebastien Desabre spricht heute von einer Renaissance des Fußballs in Ostafrika. „Kenia hat Ghana geschlagen, Uganda hat eine gute Qualifikation gespielt, und auch Tansania ist qualifiziert. Es ist nicht zu leugnen, dass im Osten etwas passiert, und wir sind stolz darauf“, sagte er gegenüber dem US-Sportsender ESPN.
Mit Madagaskar und Burundi hat das Los zwei Newcomer in eine Gruppe gesteckt. Madagaskar qualifizierte sich als erstes Team überhaupt mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen. Die Favoriten sind aber Guinea mit Liverpool-Star Naby Keita und Nigeria. Ein Testspielsieg gegen Ägypten im März bescherte Nigeria noch mehr Selbstvertrauen – an dem es dem dreimaligen Afrikameister ohnehin selten fehlt. Personalsorgen quälen Teamchef Gernot Rohr, der seit 2016 im Amt ist, dennoch. Im Mai reiste er nach Middlesbrough, um den 32-jährigen John Obi Mikel zum Comeback zu bewegen.
GRUPPE C: SENEGAL, ALGERIEN, KENIA, TANSANIA
Algerien enttäuschte in der Qualifikation, doch mit Offensivkräften wie Riyad Mahrez von Manchester City und Ishak Belfodil von Hoffenheim sollte eine Besserung möglich sein. Tansania unter Trainer Emmanuel Amuneke und Kenia mit Tottenham-Mittelfeldspieler Victor Wanyama spielten hingegen eine starke Qualifikation. Bei allem Optimismus ist aber zu bezweifeln, dass ein Team aus Ostafrika die Dominanz der West- und Nordafrikaner durchbrechen kann. Dafür sind die heimischen Ligen zu schwach. Senegal hingegen darf sich Hoffnungen machen, erstmals den Afrika-Cup zu gewinnen. Das stärkste afrikanische Team bei der WM 2018 verfügt über eine exzellente Defensive und kann auf die Stars Kalidou Koulibaly und Sadio Mane setzen.
GRUPPE D: ELFENBEINKÜSTE, MAROKKO, SÜDAFRIKA, NAMIBIA
Der Generationenwechsel im Team der Elfenbeinküste ist nach den Pensionierungen von Didier Drogba und den Toure-Brüdern immer noch nicht so richtig vollzogen. Der letzte große Erfolg war der Titel 2015 unter Herve Renard. Der stets im blütenweißen Hemd auftretende Trainer betreut mittlerweile Marokko – sehr zum Leidwesen der Ivorer. Vor zwei Jahren warf Marokko sie aus dem Bewerb, dann hatten sie auch noch in der WM-Qualifikation das Nachsehen. Sollte Marokko den Titel holen, wäre es der dritte für den Trainer. Doch Südafrika und seine geordnete Verteidigung könnte den beiden Großen Kopfzerbrechen bereiten.
GRUPPE E: TUNESIEN, MALI, MAURETANIEN, ANGOLA
Tunesien, Mali und Angola haben ihre jeweiligen Qualifikationsgruppen gewonnen. Mauretanien ließ dabei den Favoriten Burkina Faso hinter sich. Dennoch scheint die Hierarchie in dieser Gruppe klar zu sein. Tunesien, laut FIFA-Ranking zweitbestes afrikanisches Team hinter Senegal, hat bei neun seiner letzten zwölf Afrika-Cup-Auftritte die Finalphase erreicht. Und auch für Mali mit Red Bull Salzburgs Diadie Samassekou, das auf dem Weg nach Ägypten ungeschlagen blieb, sollte die Vorrunde nur eine Pflichtübung sein.
GRUPPE F: KAMERUN, GHANA, BENIN, GUINEA-BISSAU
Die ersten Spiele in der Qualifikation hatte Kamerun im Trainingsmodus absolviert, doch dann wurde dem Land die Austragung des Turniers entzogen – und der Titelverteidiger musste sich auf konventionellem Weg qualifizieren. Am Ende reichte es für den fünfmaligen Turniersieger gerade noch, auch dank des neuen Trainerduos Clarence Seedorf und Patrick Kluivert. Vom Glanz Ghanas war in der Qualifikation ebenfalls wenig zu sehen. Bei den letzten sechs Auflagen erreichten die „Black Stars“ zwar immer das Semifinale, doch auf den fünften Titel warten die Fans seit 37 Jahren. Dafür sollen nun die Brüder Andre und Jordan Ayew sorgen, die ihrem Vater, Abedi Pele, der 1982 in Libyen triumphierte, nacheifern wollen.
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