Trauriger Derbysieg

Einen Sonntag vor den Wiener Wahlen, in deren Vorfeld wochenlang „Wer fürchtet sich vorm blauen Mann?“ gespielt worden war, diskutierte man bei Rapid gegen Salzburg über den kommenden Sonntag. Steffen Hofmann hatte sich in einem Video für Michael Häupl und die SPÖ verwendet, indem er auf die Vielfalt und Weltoffenheit Wiens verwies, die es zu bewahren gelte.
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Gottesurteil

Es ist kurz nach Mittag. Ich sitze im ICE 23 nach Wien. Gerade hat der Zug die österreichische Grenze passiert. Draußen lässt die Herbstsonne die Wiesen und Wälder grün leuchten. Ich sitze an einem Tisch im Ruhebereich. Vor mir steht eine Flasche, auf deren Etikett „Altpapierschnaps Quitten 2011“ geschrieben ist.
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Der Wert

Eine Frau sitzt in einem Lokal. Am Nebentisch hockt ein betrunkener junger Mann, der nicht aussieht wie jemand, der oft viel trinkt. Vielmehr sieht er aus wie jemand, der sich in einer aufwühlenden Auseinandersetzung mit sich verheddert hat.
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Ode an die Verhöhnung

Ich muss sehr jung gewesen sein, als ich den Begriff zum ersten Mal hörte. Wir spielten in einem Garten, in dem kleine weiße Tore mit durchlöcherten weißen Netzen standen.
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Die Heinzigen

Anders als manche meiner linken Freunde freue ich mich, wenn Österreich gewinnt – vielleicht weil ich selbst einmal davon träumte, im Prater zu stehen, die etwas blecherne Hymne zu hören und unter großen Söhnen auch mich gemeint zu wissen.
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Einer aus einer Million

Nachdem der umjubelte Stürmer, dessen Beine mehr wert waren als alle Fans im Block zusammen, den Ball unter die Latte geknallt hatte, zog er sein Trikot aus, hielt inne und senkte den Kopf. Auf seinem weißen T-Shirt war ein Leichensack auf einem Strand zu sehen.
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Der Kapitän

In Chichen Itza, unter der gnadenlosen Sonne Yucatans, liegt das größte erhaltene Ballspielstadion der Mayas. Das Feld ist 168 Meter lang, siebzig Meter breit, die Mauern an den Längsseiten ragen acht Meter in die Höhe. In der Mitte, hoch oben, hängen auf beiden Seiten steinerne Ringe.
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Zwei Paar Socken

Als ich an einem Sonntagnachmittag einen Zweispalter über ein Fußballspiel schrieb, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich nicht mehr tiefer sinken konnte.“ So umreißt der Erzähler in Wilhelm Genazinos Roman „Bei Regen im Saal“ sein Leben als Redakteur einer Lokalzeitung.
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Der Spitzenkandidat

Unlängst schickte mir ein Freund ein Bild, über das ich laut lachen musste: Es war ein Plakat der FPÖ, das ihren Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahlen in einem kleinen Ort im nördlichen Waldviertel präsentiert.
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Ilkay Gündogan

Vor jedem Champions-League-Spiel wird ein Video ausgestrahlt, in dem Fußballstars aller Hautfarben in ihren Muttersprachen Nein zu Rassismus sagen. Vor Spielbeginn wiederholen die Kapitäne dieses Bekenntnis unter den Augen des Schiedsrichters.
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Wein und Wahrheit

Auf Schloss Wiepersdorf ist es ruhig. Die meiste Zeit verbringe ich in einem kleinen Zimmer mit Blick auf den längst aufgelassenen Konsum, bisweilen läuft eine Katze über die Wiese davor, zweimal täglich dreht ein Schulbus seine Runde.
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Henrikh Vegetarier

Mein Großvater hört fern. Der einmal so große und starke Mann ist hinfällig und dürr geworden, Haut und Knochen, er kann nur mithilfe zweier Stöcke gehen. Seine Sehnerven liefern seit Langem keine Bilder mehr, die Ohren sind beinahe taub. Wenn er etwas verstehen will, greift er nach seinem Hörgerät.
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Der Held des Tages

Zum ersten Mal sahen wir den Helden des Tages in der U2. Wir kamen aus dem Schweizerhaus. Im Prater waren 40- bis 70-jährige Männer regimentsweise als Dragoner und andere kakanische Soldaten verkleidet gewesen.
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Lächelverbot

Von der Weltmeisterschaft in Brasilien lernen wir über Individualismus erstens, dass Fußballer tätowiert sein sollten, vorzugsweise auf den Unterarmen und mit viel verschlungener Schrift, weil sie einmal höchstwahrscheinlich keine Hemdsärmel darüber ziehen müssen, um im Büro nicht ungut aufzufallen.
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Die Fußballblödigkeit

Am Tag des ersten Halbfinales spüre ich eine gewisse Ermattung. Viel war von Fußballblödigkeit zu hören, ein schönes Wort, wenn man an Wilhelm Genazinos wunderbaren Roman „Die Liebesblödigkeit“ denkt.
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Die Ausnahme

Hans Tröstner war ein einfacher Mann. Vielleicht war er das, was manche Politiker den kleinen Mann nennen. Tatsächlich war er nicht besonders groß, etwas untersetzt und schwer zu verstehen.
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Der Fußballdoktor

Der Fußballdoktor kommt regelmäßig einige Minuten nach Spielbeginn ins Pub. Er wird bestimmt nichts versäumt haben. Er wird keinesfalls etwas Sehenswertes nicht gesehen haben. Eigentlich hätte er gar nicht kommen müssen.
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Meister Eders Omen

Als ich von dem Gespräch mit einer Verlegerin und ihrem Sachbuchlektor nach Hause kam, war ich beschwingt. Ihre Idee gefiel mir, in meinem Kopf hatte ich bereits zu schreiben begonnen, Titel schwirrten in ihm herum, im Lauf des Tages legte ich mich auf den Untertitel „oder Die Größe des Anfangs“ fest.
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Die Banane

Jahrzehntelang fanden die größten Schwachköpfe unter den Stadionbesuchern Gefallen daran, gegnerischen Spielern Bananen vor schwarze oder dunklere Beine zu werfen.
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Mein Geografielehrer

Alles, was er über Moral wisse, heißt es einmal bei Albert Camus, verdanke er dem Fußball. Das ist ein schöner Satz, gut zu zitieren und äußerst fragwürdig.
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Sommerferien

Im Sommer als Jugendlicher zwei Wochen auf einer griechischen Insel zu verbringen, war in erster Linie schön, in zweiter Linie nervenzermarternd. Im Schwimmbad und überhaupt konnte so viel geschehen, dass man ohne Weiteres das Entscheidende hätte verpassen können.
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